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NRW will bis 2015 komplett aus Archäologiefinanzierung aussteigen

Die Deutsche Gesellschaft für Uhr-und Frühgeschichte (DGUF) hat am vergangenen Sonntag eine Online-Petition gestartet. Ziel der Petition, ist es die vom Land Nordrhein-Westfalen angekündigte Streichung der Landeszuschüsse für die Archäologie und Denkmalpflege neu zu überdenken.

Nordrhein-Westfalen will sich bis zum Jahr 2015 komplett aus der Finanzierung der Archäologie zurückziehen. Bereits im laufenden Jahr wurde eine, im Vergleich zum Vorjahr deutliche Mittelkürzung vorgenommen. Die Deutsche Gesellschaft für Ur-und Frühgeschichte fordert die Landesregierung dazu auf, die geplanten Kürzungen für die Archäologie und Denkmalpflege zu überdenken und zurückzunehmen.

12 Millionen Euro sollen auf Null heruntergefahren werden

Im laufenden Jahr wurden die Mittel von zwölf auf 10 Millionen Euro reduziert. Im kommenden Jahr soll die Förderung sogar nur noch 3,3 Millionen Euro betragen und ab 2015 will Nordrhein-Westfalen sich komplett aus der Finanzierung der Archäologie und Denkmalpflege zurückziehen. Die Archäologie und Bodendenkmalpflege in Nordrhein-Westfalen wird derzeit von den Landschaftsverbänden Rheinland (LVR) und Westfalen (LWL) sowie der Stadt Köln jeweils zur Hälfte getragen.

Die andere Hälfte der Finanzierung hat bislang das Land übernommen. Bisher betrug die Summe der jährlich gewährten Landesmittel 12 Millionen Euro. Die DGUF fordert nunmehr die Abgeordneten des NRW-Landtages und die dort vertretenden Fraktionen dazu auf, den politischen Kurs der Landesregierung in Bezug zur Archäologie und Bodendenkmalpflege zu überdenken und zu korrigieren.

Zahlreiche Kulturgüter gehen ohne Landeszuschüsse für immer verloren

Ohne die Landeszuschüsse könnten zahlreiche Ausgrabungen nicht umgesetzt werden. Durch die fehlende wissenschaftliche Dokumentation kann im Falle einer nachfolgenden Bebauung das Kulturgut für immer verloren sein. Insofern ist der Petitionsaufruf der DGUF gerechtfertigt und als sinnvoll anzusehen. Allerdings gibt es auch noch einen weiteren Aspekt bei der Petition zu bedenken. Diese ist jedoch weniger edler Natur.

Zahlreiche Archäologenjobs gefährdet

Während nach offizieller Verlautbarungen die Petitionen lediglich den Erhalt der Denkmäler vorgibt, geht es jedoch bei der Streichung der Landesmittel letztlich auch um zahlreiche befristete Stellen von Archäologen. Insofern stellt die Online-Petition kritisch betrachtet zwar den Erhalt des Kulturgutes an erste Stelle, im Vordergrund dürfte jedoch die berechtigte Angst um zahlreiche Arbeitsplätze bei den Landschaftsverbänden und der Stadt Köln stehen.

Insofern dürfte dies Lobbyismus in eigener Sache seitens der Archäologie sein. Allerdings gilt zur Ehrenrettung der Online-Petition zu erwähnen, dass ohne ausreichend Personal eine wissenschaftliche Dokumentation der archäologischen Kulturdenkmäler nicht möglich ist. Auch ist eine Aufarbeitung zahlreicher Grabungen ohne ausreichend Personal nicht möglich.

Geld für Bankenrettung aber für Kultur nichts übrig

Die geplante Mittelkürzungen des Landes Nordrhein-Westfalen offenbart hingegen, dass bei Bankenrettungen sämtliche Ressourcen der öffentlichen Mittel locker gemacht werden, während es im Falle des Kulturerhalts stets um weitere Kürzungen geht. Insofern dürfte bei einer Umsetzung des kompletten Ausstiegs aus der Archäologie und Bodendenkmalpflege seitens des Landes Nordrhein-Westfalen ein neu konzipiertes Denkmalschutzgesetz mit ausgeprägtem Anteil des Verursacherprinzips vonnöten sein.

Dies gilt allein deshalb, weil nur dadurch der notwendige Personalstamm in der Archäologie und Bodendenkmalpflege erhalten werden kann. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch auch eine weitere Kommerzialisierung des wissenschaftlichen Fachgebietes.



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