Politik

„Occupy Wall Street“ gewinnt an Schwung

Ein Beitrag von Dariusch Tabib-Elahi

Seit dem 17. September demonstrieren Aktivisten in New York gegen die bestehenden wirtschaftlichen Zustände in den USA. Die vom arabischen Frühling inspirierte Bewegegung „Occupy Wall Street“ fordert ein Ende des Einflusses auf Politik durch die Finanzeliten des Landes. Forderungen sind eine Reichensteuer, mehr Macht für Gewerkschaften und ein Ende des Sozialabbaus.

„Der Amerikanische Traum ist der Welt gestohlen worden. Arbeiter kriegen keine Krankenversicherung, kein Haus und kein Essen. Studenten kriegen keine Jobs und müssen den Rest ihres Lebens in Schulden verbringen […]. Der ‚Eine Prozent‘ hat diese Nation und ihre Werte durch ihre Gier zerstört.“ Dieses Zitat ist auf der Website der Bewegung zu lesen und faßt die Motivation zusammen, mit der Tausende in diesen Tagen ihre Zelte in Manhatten aufgeschlagen haben.

Zu den Protesten rief ursprünglich die Kanadische Aktivistengruppe Adbusters auf. „Occupy Wall Street“ bezeichnet sich jedoch als horizontal organisiert und ohne einheitliche Führung. „Wir sind die 99%“ ist das Mantra der Bewegung, bei der sich Angehörige aller politischen Richtungen, Ethnien und Religionen zusammenfinden.

Die Demonstrationen gewannen in den letzten Tagen an Aufmerksamkeit. Am vergangenen Samstag (1. Oktober) wurden 700 Teilnehmer auf der Brooklyn Bridge verhaftet und in Bussen abtransportiert, nachdem die Menge auf die Fahrbahn der Brücke drängte. 20 von ihnen erwartet ein Gerichtsverfahren wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt.

„Jeder Arrest bringt uns 25, 30, 40, 100 Leute“ sagte Demonstrant Alexander Holmes der Huffington Post. „Das ist Solidarität. Denn wir wissen, dass wir nicht so behandelt werden wie wir im Einklang mit unseren Bürgerrechten behandelt werden sollten.“

Polizei und Aktivisten werfen sich gegenseitig die Schuld für die Massenverhaftungen vor, jedoch finden sich auf Youtube zahlreiche Videoclips in denen die New Yorker Polizei ohne Provokationen Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzt.

Auch die Präsenz vieler Prominenter rückte „Occupy Wall Street“ stärker ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Schauspielerinnen Roseanne Barr und Susan Sarandon kamen mit Demonstranten zusammen. Die Band Radiohead hatte ursprünglich einen Auftritt geplant, der dann aber wieder abgesagt wurde.

Zwischenzeitlich sagte sogar der Vorsitzende US-Zentralbank Ben Bernanke, dass er Verständnis für die Demonstranten habe. „Die Menschen sind sehr unzufrieden mit dem Zustand der Wirtschaft. Sie machen, teilweise berechtigt, den Finanzsektor dafür verantwortlich und sind unzufrieden mit der Antwort aus Washington. Auf einer gewissen Ebene kann ich ihnen das nicht verübeln.“

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sieht dies offenbar anders. In einer Radioshow merkte er an, dass die meisten Banker an der Wall Street nur „40 – 50.000 Dollar im Jahr“ verdienen, obwohl es im Krisenjahr 2010 Rekordzahlungen von 144 Milliarden Dollar an Angestellte im Finanzsektor gab. Bloomberg sagte weiter, es sei falsch die Banken für die Wirtschaftskrise verantwortlich zu machen.

„Occupy Wall Street“ findet mittlerweile mehr und mehr Anhänger und das nicht nur in New York. In über 200 Städten zwischen Neuengland und Hawaii sind Märsche und Kundgebungen geplant, die Solidarität mit den Aktivisten in Manhatten ausdrücken sollen.

Ein heißer Herbst ist bereits angekündigt worden. Auf Twitter erklärten einige Mitglieder der Bewegung, sie würden nicht gehen, bis ihre Forderungen erfüllt sein.

Doch die „Ein Prozent“ schlafen nicht. Am Tage nach den Verhaftungen auf der Brooklyn Bridge spendete Finanzgigant JP Morgan der New Yorker Polizei eine Rekordsumme von 4.6 Millionen Dollar.



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