Wissenschaft

Öl in Nigeria: UN-Studie zur Verschmutzung am Nigerdelta

Eine Studie des UN Umweltprogrammes UNEP bestätigt großflächige und drastische Umweltverschmutzungen am Nigerdelta durch die Erdölförderung und warnt vor deren Folgen. Die Beseitigung der Umweltschäden sei derart aufwendig, dass sie bis zu 30 Jahre andauern könnte. Zeitgleich bestätigt diese Studie, dass die Ölverschmutzung am Nigerdelta die größte ihrer Art darstellt. Betroffen von diesem Negativrekord sind insbesondere Menschen im so genannten Ogoniland, die von dem Reichtum der Ölförderung wenig abkriegen, aber dafür um so mehr unter den Folgen der katastrophalen Auswirkungen zu leiden haben.

Die UN-Studie spricht von der “ größten,weitflächigen und langandauerndsten Ölreinigung“, die notwendig wäre um die Folgen der Umweltverschmutzungen zu beseitigen. Insgesamt in zehn Gemeinden wurden drastische Ölverschmutzungen nachgewiesen. Die Erstellung der Studie dauerte insgesamt zwei Jahre, schon vor Erstellung kamen Diskussionen auf, da die Studie von Shell finanziert wurde. Der britisch-niederländische Ölmulti gilt als einer der Hauptinvestoren im Nigerdelta. Das Unternehmen übernahm die Verantwortung für zwei große Ölausbrüche in den Jahren 2008 und 2009.

Dabei traten tausende Tonnen Erdöl aus einer Pipeline in der Gemeinde Bodo aus und verunreinigten den Lebensraum der Menschen. Zudem wurde die Fischerei Zugrunde gerichtet, der Anwalt der betroffenen Gemeinde fordert hunderte Millionen Dollar als Entschädigung. Aber auch anderswo sind die Pipelines Leck, das Öl verunreinigt die Gewässer, die ökologisch wichtigen Mangrovenwälder und den Boden. Die ausgetretenen Umweltgifte schaden der Gesundheit der Bevölkerung, im Wasser liegen die Anteile von Benzin um 900 mal oberhalb der Grenzempfehlung der WHO.

Vor Ort regte sich Widerstand, der Aktivist Ken Saro-Wiwa wurde 1995 von der nigerianischen Armee hingerichtet. Der Bürgerrechtler, Schriftsteller und TV-Produzent Saro-Wiwa gründete die Bewegung Movement for the Survival of the Ogoni People (MOSOP), ihre Ziele lagen in der Beseitigung der Umweltverschmutzungen, der Anteilnahme an der Ölförderung und für die Autonomie der Ogoni. 2009 zeigte sich Shell bereit, den Angehörigen von Saro-Wiwa und seinen ebenfalls getöteten acht Mitstreitern 15,5 Millionen Dollar an Entschädigung zu bezahlen. Ob Shell und andere Ölkonzerne die Rechnung für die Umweltverschmutzungen bezahlen müssen, bleibt zu hoffen, wiewohl Shell zu mindestens die Verantwortung innerhalb der nigerianischen Gesetzgebung übernehmen möchte.

 



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