Sport

Olympia: Deutschland erlebt Debakel im Zweierbob

Die deutschen Zweierbobs erlebten in Sotschi ihren Tiefpunkt. Ein historisches Debakel für die erfolgsverwöhnten deutschen Bob-Stars. Während sich die gesamte Bob-Welt vor dem neuen Olympiasieger Alexander Subkow verneigte, war für die Deutschen der Schuldige längst gefunden: das Material.

Thmoas Flurschütz zur historischen Niederlage: „Ich habe schon früh in der Saison warnend den Finger gehoben, doch ich wurde belächelt. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen.“

Material nicht konkurrenzfähig

Am Ende stand für die einst so ruhmreichen deutschen Bobfahrer das schlechteste Ergebnis seit 1956 fest. Schuld am Debakel für Florschütz war der nicht konkurrenzfähige Schlitten. Florschütz´ Anschieber Kevik Kuske, der 2010 in Vancouver mit Andre Lange noch den Olympiasieg feiern konnte, verfiel in Galgenhumor: „Wenn wir damals in einem Formel-1-Wagen saßen, fahren wir jetzt in einem Trabi.“

Unter den Augen von IOC-Präsident Thomas Bach erlebten die erfolgreichste Zweierbob-Nation der Welt ihr Waterloo: Platz acht für Weltmeister Francesco Friedrich, Platz elf für den Olympia-Zweiten von Vancouver Florschütz und ein enttäuschender Rang 15 für Vierer-Weltmeister Maximilian Arndt.

Friedrich zum Ergebnis: „Das ist ein bisschen peinlich.“ Arndt wiederum machte „zu viele Streitigkeiten“ zwischen Bundestrainer Christoph Langen und dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) aus. Letztmals waren die deutschen Zweierbobs bei Olympia vor rund 58 Jahren genauso schlecht.

Subkow mit starker Leistung

Resigniert stellte Friedrich fest; „Wir haben noch einmal alles gegeben und die Risikovariante bei der Kufe gewählt. Es war nicht schlecht, aber auch nicht schneller. Wir hatten einfach keine Chance.“ Dennoch würdigte Friedrich Olympiasieger Subkow: „Hut ab für so eine Leistung.“

Derweil war Bundestrainer Langen maßlos bedient. Regungslos, fast erstarrt, verfolgte er das Geschehen. Auch der Bundestrainer machte das Material für das desaströse Ergebnis verantwortlich: „Jeder Blinde hat gesehen, dass die Jungs eine gute Leistung abgeliefert haben.“

Verheerend war der Startrückstand der Deutschen. Allerdings war auch festzustellen, dass die Piloten nicht ganz fehlerfrei durch den Eiskanal kamen.

1994 in Lillehammer waren die deutschen Zweierbobs ebenfalls ohne Medaille geblieben. Scheinbar waren die Fußstapfen der Boblegenden Langen (2002) und Lange (2006 und 2010) zu groß für ihre legitimen Nachfolger.

Konkurrenz meilenweit voraus

Beleg für den enormen Rückstand der Deutschen auf die internationale Konkurrenz war allein die Zeit von Friedrich. Ganze 1,46 Sekunden fehlten auf den starken Olympiasieger Subkow.

Subkow bescherte den Gastgebern aus Russland das so langersehnte Gold im Zweierbob. Seit 1988 warteten die Russen darauf. Silber ging an den Schweizer Beat Hefti vor Vierer-Olympiasieger Steven Holcomb aus den USA.

Defizite deutlich zu erkennen

Gnadenlos wurden die Defizite der deutschen Bobs aufgezeigt. Kapitale Zeitrückstände schon beim Start, eklatante Materialprobleme und dazu ungewohnte Fahrfehler.

Dennoch verbreitete Langen für den Vierer Optimismus: „Das wird ein völlig anderes Rennen.“

Für die Zeit nach Olympia kündigte Sportdirektor Thomas Schwab schon einmal Gespräche mit dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten an, um die Materialdefizite auszumerzen.



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