Sport

Olympia: Doping-Fall Sachenbacher-Stehle wird zum Krimi

Jetzt entwickelt sich der Doping-Fall Evi Sachenbacher-Stehle immer mehr auch zum Kriminalfall. Beamte haben nun bei der Dopingsünderin noch weitere Nahrungsergänzungsmittel gefunden. Für die Biathletin drohen jetzt nicht nur sportliche, sondern auch berufliche und finanzielle Konsequenzen.

Böse Überraschung bei der Ankunft von Evi Sachenbacher-Stehle. Beamte des Landeskriminalamtes Bayern haben ihre Wohnungen in Kössen in Tirol sowie in ihrem Heimatort Reit im Winkl durchsucht und ihr direktes Umfeld unter die Lupe genommen.

In den schweren Stunden bekommt Sachenbacher-Stehle Unterstützung von ihrer Familie. Sowohl Ehemann Johannes als auch ihr Bruder Josef sind stets an ihrer Seite und glauben fest an ihre Unschuld. Auch Sachenbacher-Stehle beteuert weiterhin ihre Unschuld.

Schnelle Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Erst am vergangenen Freitag hatte das Internationale Olympische Komitee den Doping-Fall offiziell bestätigt. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft München I die Durchsuchung von Sachenbacher-Stehles Wohnungen sowie des Olympiastützpunktes in Ruhpolding angeordnet. Ungewöhnlich schnell.

Allerdings richten sich die Ermittlungen nicht gegen Sachenbacher-Stehle, sondern gegen Unbekannt. Dabei wird wegen „unerlaubten Inverkehrbringens von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport“ ermittelt. Und die Beamten wurden bei ihren Durchsuchungen fündig.

In einem der durchsuchten Objekte wurden Nahrungsergänzungsmittel gefunden und sichergestellt, wie Staatsanwalt Peter Preuß mitteilte. Nach Bekanntwerden des Falls hatte DSV-Präsident Franz Stehle bereits im Olympischen Dorf in Sotschi mehrere Produkte konfisziert.

Schuld hat der Unbekannte

Die offizielle Version zum Doping-Fall lautet bisher, dass Sachenbacher-Stehle von ihrem persönlichen Betreuer und Ernährungsberater einen Energieriegel erhalten habe, der die verbotene Substanz Methylhexanamin enthalten hat. Der Betreuer ist selbst ein ehemaliger Sportler, der allerdings keine Verbindung zum DOSB hat.

Eine zweifelhafte Version, die allerdings sowohl für die Athletin selbst als auch für die Funktionäre recht komfortabel ist. Denn so wird der Fall verharmlost und die Verantwortung auf einen unbekannten Dritten geschoben.

Doping-Jäger Werner Franke kritisiert den DOSB und will auch ein vorsätzliches Doping von Sachenbacher-Stehle nicht ausschließen. „Es kann Dummheit von ihr gewesen sein. Aber der, der einen Vorsatz ausschließt, ist mindestens genauso dumm. Und die DOSB-Spitze tut das gerade“, so Franke: „Das betreffende Mittel hat ganz klar eine leistungssteigernde Wirkung, gerade für Biathleten, da es vor allem beim Schießen Vorteile bringt.“

Stimulanzien beliebt bei Athleten

Sogenannte Stimulanzien werden in der Doping-Szene heiß gehandelt. Unter der Hand ist sogar von internationalen Verteilerkreisen die Rede. Gerade Mittel wie Methylhexanamin sind bei vielen Sportlern sehr beliebt, denn sie sind lediglich im Wettkampf verboten. Dadurch ziehen sie auch nicht automatisch eine zweijährige Sperre nach sich.

Allerdings ist Sachenbacher-Stehle auch kein Einzelfall in Sotschi. Auch beim italienischen Bobfahrer William Frullani wurde in Sotschi Methylhexanamin nachgewiesen. Die dritte im Bunde ist die ukrainische Langläuferin Marina Lisogor. Bei ihr wurde Trimetazidin im Körper gefunden.

Zu Gute halten muss man Sachenbacher-Stehle, die bereits bei Olympia 2006 in Turin wegen zu hoher Blutwerte mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt wurde, dass bei einer weiteren Urinprobe am 11. Februar nach Ihrem 27. Platz im Verfolgungsrennen nichts festgestellt wurde.

Es drohen weitere Konsequenzen

Abgesehen von einer Sperre drohen Sachenbacher-Stehle nun auch berufliche und finanzielle Konsequenzen. Unter anderem steht der Ausschluss aus der Sportförderung der Bundeswehr im Raum.

Vize-Admiral Manfred Nielson: „Doping und Bundeswehr passen nicht zueinander.“ Es gäbe ganz klare Regeln: „Wer überführt worden ist, scheidet aus der Spitzensportförderung aus.“ Noch ist Sachenbacher-Stehle Hauptfeldwebel in der Sportfördergruppe in Bischofswiesen.

Auch das Verhalten der Sponsoren ist offen. Ein offizielles Statement von Hauptsponsor Viessmann steht noch aus.

Rückzahlungen an die Stiftung Deutsche Sporthilfe muss Sachenbacher-Stehle aber nicht befürchten. Sporthilfe-Sprecher Jörg Hahn dazu: „Der jetzt vorliegende Fall hat keine unmittelbaren Auswirkungen, da sie in den vergangenen zwei Jahren keine Förderung von uns erhalten hat. Gleichwohl bedauern wir natürlich, dass es ein Verstoß gegen den Sporthilfe-Eid gab, den auch Evi Sachenbacher-Stehle unterschrieben hat.“



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