Politik

Olympische Winterspiele Sotschi 2014 geraten zum Politikum

Immer mehr internationale Politiker entscheiden sich gegen eine Reise zu den Olympischen und Paralympischen Winterspielen 2014 in Sotschi/Russland.

Damit geraten die XXII. Olympischen Winterspiele 2014 in Russlands Sotschi (7. bis 23. Februar 2014) zum Politikum

Wird hier die Idee der Olympischen Spiele als völkerverbindende Zusammenkunft untergraben oder ist der Boykott des Westens gegen Russland sinnvoll?

Auch Deutschland boykottiert Olympische Winterspiele in Sotschi

Frankreichs Präsident Francois Hollande hat abgesagt, US-Präsident Barack Obama wird nicht zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi reisen, Kanadas Premierminister Stephen Harper kommt nicht nach Sotschi und auch Großbritanniens Premierminister David Cameron sieht keine Reise nach Russland vor.

Frankreich und Großbritannien schicken ihre Innenminister, die auch für den Sport zuständig sind, zu Olympia 2014. Für Deutschland wird ebenfalls Innenminister Thomas de Maiziere vertreten sein, denn auch Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel werden nicht zu dem internationalen Sportereignis nach Russland reisen.

Boykott macht Olympia 2014 in Sotschi zum Politikum

Die russische Stadt am Schwarzen Meer sollte im Februar zum Aushängeschild Russlands werden und das Land wieder glänzen lassen. Doch Olympia 2014 wird zunehmend zur Plattform politischer Diskussionen.

Sport und Politik werden nicht mehr voneinander getrennt. Beides hing zwar auch in der Vergangenheit stark zusammen, der Blick der Öffentlichkeit wendet sich 2014 allerdings fast gänzlich vom sportlichen Ereignis zum Politikum.

Begnadigung von Chodorkowski und Pussy-Riot-Mitgliedern verpufft

Russland steht nun schon lange in der Kritik, vor allem aufgrund der Unterdrückung der Opposition und des Gesetzes zum Verbot „homosexueller Propaganda“. Dagegen wollen viele Regierungschefs ein Zeichen setzen.

Wladimir Putin soll durch ein Erscheinen der Staatsoberhäupter in Russland nicht gewürdigt werden. Daran ändert auch die Freilassung von Kreml-Kritikern, wie Michail Chodorkowski, der 30 Greenpeace-Aktivisten oder der Pussy-Riot-Mitglieder Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina nichts. Chodorkowski etwa wurde 8 Monate vor der geplanten Freilassung begnadigt.

Der offizielle Beweggrund Putins dafür ist der 20. Jahrestag der russischen Verfassung. Experten sehen die Freilassungen allerdings als Versuch, den Westen zu besänftigen und noch mehr Absagen ranghoher Politiker zu verhindern.

Boykott der Winterspiele ausschließlich aus Menschenrechtsgründen?

Während einige Politiker ihren Entschluss ausdrücklich mit der Ablehnung der Menschenrechtsverletzung in Russland begründen, nennen die meisten Staatschefs keine konkreten Anlässe, lassen aber ähnliche Gründe durchblicken.

Barack Obama etwa begründet seine Abwesenheit damit, dass es ohnehin nicht geplant gewesen wäre, Politiker des Landes zu Olympia zu schicken. Außerdem hätte er zu viele andere wichtige Termine. Stattdessen schickt das Weiße Haus ehemalige Sportler zu der Eröffnungsfeier, die offen für die Rechte von Schwulen und Lesben eintreten und sich zu ihrer eigenen Homosexualität bekennen, z.B. die Tennisspielerin Billie Jean King und die Eishockeyspielerin Caitlin Cahow.

EU-Kommissarin Viviane Reding äußert ihre Meinung hingegen sehr deutlich. Sie betont: „Ich werde sicher nicht nach Sotschi fahren, solange Minderheiten auf diese Weise von der derzeitigen russischen Regierung behandelt werden“.

Russland und EU weiter auf Konfrontationskurs

Allerdings dürfte auch das aktuelle Tauziehen um die Ukraine zwischen der Europäischen Union und Russland eine Rolle spielen. Nachdem sich die ukrainische Regierung für Russland entschieden und das Assoziierungsabkommen mit der Eu auf Eis gelegt hat, kam es zu massiven Protesten in der Hauptstadt Kiew.

Die Teilnahme auch westlicher Politiker, unter anderen des deutschen Außenministern Guido Westerwelle, an den Protesten, wurde als Einmischung in innere Angelegenheiten kritisiert.

Laut Forsa-Umfrage für den Stern befürworten 65% der Deutschen die Haltung Gaucks

In der Öffentlichkeit zählen weniger konkrete Worte, mehr die Geste des Fernbleibens. Viele Deutsche, laut Forsa-Umfrage für den „Stern“ 65 Prozent, befürworten die Entscheidungen Merkels und Gaucks und sehen sie als Ausdruck für die Ablehnung der Politik Wladimir Putins, auch wenn diese sich nie ausdrücklich dazu geäußert haben.

Bürgerrechtler rufen Sportler und Politiker immer wieder dazu auf, nicht an den Spielen teilzunehmen. Doch Spitzensportler wie Diskuswerfer Robert Hartig heißen einen Boykott nicht gut und sehen die Absagen als Geringschätzung der Athleten. Waren Staatsoberhäupter bei vorangegangen Spielen zu den Olympischen und Paralympischen Spielen gereist, dann um die Sportler zu ehren, sie zu unterstützen und mit ihrer Anwesenheit deren Leistungen zu würdigen.

Bleibt also nur noch die Hoffnung auf würdige und verbindende Olympische Winterspiele 2014 in Sotschi oder mach der Boykott Schule und wird zur Blaupause weiterer olympischer Spiele?

 



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