Versicherung & Vorsorge

Operationen: Regierung will nur „notwendige OP´s“ übernehmen

Die Bundesregierung will die Anzahl der medizinischen Operationen in Deutschland eindämmen, gleichzeitig sollen alle versicherte die notwendigen OP´s und Behandlungen gewährt bekommen, verspricht Bundesgesundheitsminister Bahr (FDP).

Zuvor hatte das Boulevard-Blatt BILD plakativ die Frage aufgeworfen, „Wird Senioren bald nicht mehr jede OP bezahlt?“. Trotz grammatikalischer Fehler ist diese Meldung mit einer Durchschlagskraft behaftet, Minister Bahr schmetterte diese als baren Unsinn ab.

Eckpunkte zur Krankenhausfinanzierung 2012

In der Tat hatte die Bundesregierung erst kürzlich vor ein paar Tagen eine Finanzspritze für die rund 2000 Krankenhäuser in Deutschland genehmigt.

Demnach erhalten die Krankenhäuser eine Finanzspritze von 300 Millionen Euro für das laufende Jahr. Ferner sollen zweijährige Mehrleistungsabschläge eingeführt werden, was bedeutet, dass Kliniken bei stark ansteigenden Patientenzahlen einen Abschlag bei den Behandlungskosten hinnehmen müssen. Damit wird die Bundesregierung versuchen die Ausgaben zu senken. Die Höhe der Abschläge soll gesetzlich festgelegt werden.

Gesundheitsausgaben 2010 bei 287 Milliarden Euro

Das Statistische Bundesamt hatte zuvor die Ausgaben für das Gesundheitswesen für das Jahr 2010 veröffentlicht, demnach wurden 287 Milliarden Euro ausgegeben. Dies war eine Steigerung von 8,9 Milliarden Euro zu 2009, oder ein Plus von 3,2 %. Der Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Leistung liegt damit bei 11,6 % (2009 noch bei 11,7 % BIP).

Insgesamt haben Krankenhäuser in 2011 erstmals mehr als 60 Milliarden Euro ausgegeben, die Ausgaben dieses Jahr sollen gar um weitere 2,5 Milliarden Euro steigen.

Beispiele unnötiger Operationen?

Laut Meinung einiger Experten seien etwa die Hälfte aller so genannten arthroskopischen Operationen überflüssig, hier würden rund 240 Millionen Euro an Mehrausgaben getätigt.

Ein weiteres Beispiel sei die so genannte Implantation einer Endoprothese am Hüftgelenk, rund 200.000 mal wird diese OP in Deutschland vorgenommen. Experten sind der Auffassung, dass rund zehn Prozent dieser OP´s nicht notwendig seien, die Einsparung hier soll bei rund 140 Millionen Euro liegen.

Jährlich werden rund 190.000 Gallenblasen entfernt, nach Meinung einiger Kritiker sei jede dritte dieser OP´s unzweckmäßig, das Einsparvolumen hier würde bei rund 180 Millionen Euro liegen.

Die Entfernung der Gebärmutter bei Frauen wird jährlich rund 130.000 mal in Deutschland vorgenommen, nach Meinung von Experten seien bis zu 90 % dieser Operationen nicht notwendig, hier könnte man rund 400 Millionen Euro einsparen.

Notwendigkeit einer OP per Gesetz?

Ob eine Operation wirklich unsinnig oder nicht notwendig ist, liegt an der Entscheidung des Arztes. Zwar gibt es sicherlich Fälle unnötiger OP´s, doch eine Zwangsbegrenzung der gesetzlichen Seite scheint nicht die Behandlung der Menschen sicher zu stellen. Wie die Regierung die Anzahl der Operationen in Deutschland eingrenzen kann und gleichzeitig die Behandlung der Menschen sicher stellen wird, bleibt abzuwarten.



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