Wissenschaft

Oralsex verantwortlich für Rachenkrebs? Humane Papillomviren (HPV)

Eine ungewöhnliche Studie der Johns Hopkins University kommt zum Ergebnis, dass Oralsex Rachenkrebs (oder in der Fachsprache Pharynxkarzinom) auslösen kann, verantwortlich hierfür sind so genannte Humane Papillomviren (HPV). Schon zuvor konnten einige Arten der Humanen Papillomviren auch für Gebärmutterkrebs verantwortlich gemacht werden, Harald zur Hausen bekam für die Entdeckung des Zusammenhanges zwischen HPV und Gebärmutterhalskrebs den Nobelpreis zugesprochen. Die Impfung gegen HPV bei Frauen wird immer noch kontrovers diskutiert, die neuen Erkenntnisse könnten aber dieser einen neuen Schwung verleihen. Ein großer Teil der HPV-Stämme ist in der Regel harmlos und verursacht Warzen. Die Ergebnisse der Studie wurden nun im Fachmagazin The New England Journal of Medicine veröffentlicht.

HPV und Rachenkrebs- Studienaufbau

Zur Studie wurden 300 Probanden untersucht, davon hatten 100 erst kürzlich die Diagnose Rachenkrebs erhalten, 200 gesunde Probanden dienten als Kontrollgruppe. Gleichzeitig wurden die Teilnehmer der Studie zu ihrem Sexualverhalten und zur Krankheitsgeschichte innerhalb der Familie befragt, auch ob die Teilnehmer Alkohol oder Nikotin konsumierten, floss in die Ergebnisse ein. Die Wissenschaftler sind der Meinung, dass der Konsum von Alkohol und/oder Nikotin die Gefahr einer Krebserkrankung im Zusammenhang mit HPV nicht erhöhen würde, die Erkrankung lasse sich im Wesentlichen auf HPV-Stämme zurückführen.

Ergebnisse der Studie

Das Virus HPV 16 war bei 72 % aller erkrankten Patienten zu beobachten, erschreckend sei die zunehmende Gefahr falls eine HPV-Infektion im oralen Bereich vorliegt, die Gefahr einer Erkrankung steige demnach um das 32-fache!  Der Hauptübertragungsweg finde dabei bei Oralsex statt, doch eine Mund-zu-Mund Übergabe der Viren (z.B. durchs Küssen) könne nicht ausgeschlossen werden, so die Forscher. Dabei gilt es noch zu beachten, dass sexuell aktive Frauen im Laufe ihres Lebens zu 80 % mit HPV in Berührung kommen, bei den wenigsten entstehen dadurch ernstzunehmende Komplikationen. Gleichzeitig betonen die Studienleiter, dass Rachenkrebs in der Regel eh selten vorkomme, Hauptursache für Rachenkrebs sei immer noch Alkohol und Tabak.

HPV und Rachenkrebs- Safer Sex und/oder HPV-Impfung?

Gegen die HPV-Stämme 6, 11, 16 und 18 existiert eine wirksame Impfung (z.B. Gardasil), seit Einführung der Impfung 2006 wurden weltweit Millionen Mädchen gegen HPV geimpft. Bei 8 % der Impfungen kam es zu schwereren Komplikationen, die Diskussion hält noch an, ob die Impfung unmittelbar für die Komplikationen verantwortlich gemacht werden kann. Eine weitere Methode, die Gefahr einer HPV-Infektion zu minimieren, ist schlicht Safer Sex, also die Verwendung von Kondomen, wobei einen 100prozentigen Schutz bieten Kondome nicht, da HPV auch über Hautkontakt (und eventuell über Mund zu Mund) übertragen werden können. Ob ein Verzicht, oder eine Reduzierung von Oralsex wirklich sinnvoll ist um Rachenkrebs, bzw. eine Infektion mit HPV zu vermeiden, muss jeder/jede für sich entscheiden.

 



Erstellen Sie den ersten Kommentar!

Kommentieren

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.