Finanzen & Recht

Pflege-Bahr Test 2014: Stiftung Warentest Kritik

Die Stiftung Warentest kritisiert in ihrer Mai-Ausgabe (05/2013) im Rahmen des Pflegeversicherung Test den Pflege-Bahr heftig.

Die in bester Absicht staatlich geförderte private Pflegeversicherung Pflege-Bahr“ bietet nach Aussage der Stiftung Warentest Leistungen an, die die Versorgungslücke im Pflegefall nicht decken können, weil sie einfach zu gering sind.

Der PKV-Verband wies die Kritik selbstredend mit der Behauptung zurück, dass der Pflege-Bahr eine klare und vollwertige Absicherung, insbesondere bei frühem Beginn der Pflege, darstellen würde. Die Testergebnisse der Stiftung Warentest aus dem Pflege-Bahr Test im Überblick.

Pflege-Bahr: staatlich geförderte private Pflegeversicherung

Per 29. Juni 2012 hatte die damalige Bundesregierung beschlossen, das persönliche Pflegerisiko analog zur Riester-Rentenverträge finanziell zu fördern. Nachdem die Rentenverträge ihren Namen vom damaligen Minister „Riester“, ihrem „Erfinder“, bekommen hatten, bekam diese Pflegeabsicherung den Zusatz „Bahr“, nach der maßgeblichen Initiative von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). So entstand der Begriffe „Pflege-Bahr“ für die staatlich subventionierte Pflegetagegeldversicherung, die sich auch nachhaltig eingebürgert hat.

Stiftung Warentest: Pflege-Bahr Test offenbart Lücken

Eine aktuell veröffentlichte Studie der Stiftung Warentest (Finanztest) im Rahmen des „Pflegeversicherung Test“ macht nun deutlich, dass sich die Entscheidung für den „Pflege-Bahr“ für Personen unter 50 Jahren nicht lohnt. Im ungünstigsten Fall zahlen Versicherte definitiv mehr ein, als sie am Ende im Pflegefall an Leistungen erhalten. Der „Pflege-Bahr“ wird so selbst zum politischen Sorgenkind und für den Versicherten eventuell zum „Draufzahlgeschäft“.

Die staatliche geförderte Pflegeabsicherung hat sich laut der neuesten Zahlen des PKV-Verbands allerdings zum Erfolgskind entwickelt. Immerhin haben sich seit Bestehen dieser Möglichkeit rund 330.000 Deutsche für diese Pflegetagegeldversicherung entschieden. Dadurch bekommen Sie den zugesicherten Zuschuss von 60 Euro pro Jahr.

Auch IVFP kritisiert Pflege-Bahr

Trotzdem lässt die Kritik am Pflege-Bahr einfach nicht nach. Eine weitere Studie, die dieses mal vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) kommt, zeigt ebenfalls, dass sich ein Vertrag mit dieser Pflegeversicherung für junge Menschen definitiv nicht lohnt. Im ungünstigsten Fall zahlen sie klar mehr ein, als sie herausbekommen.

Der Geschäftsführer vom IVFP, Michael Hauer, erklärt dazu: „Geht man davon aus, dass die Pflegeversicherungsbeiträge jährlich im Schnitt um 5 Prozent steigen, dann zahlt der Pflegebedürftige im Leistungsfall einen höheren Beitrag als er an Rentenleistung erhält“.

Die Tester haben mit dem Pflege-Bahr Test von sechs Anbietern, die ein sehr gutes bis eher schwaches Preis-Leistungs-Verhältnis haben, Seriosität und Relevanz in das Ergebnis ihrer Studie gebracht. Wie stark die Beiträge bei der staatlich geförderten Pflegeversicherung tatsächlich steigen werden, ist heute noch gar nicht absehbar. Ausgewiesene Kritiker des Pflege-Bahrs geben ihrer Befürchtung Ausdruck, dass die Prämien voraussichtlich sehr bald steigen werden.

Empfehlung der Stiftung Warentest zu Pflege-Bahr

Das von der Stiftung Warentest veröffentlichte Finanztest geht da bis um Äußersten und rät ganz einfach vom „Pflege-Bahr“ als privater Pflegeversicherung ab. Die Leistungen, die die Pflegebedürftigen erhalten, sind einfach zu gering. Nur solche Personen sollten einen so geförderten Vertrag abschließen, die sich keine andere private Pflegeversicherung leisten können.

IVFP: private Pflegeversicherung sinvoll

Aus Sicht der IVFP führt für die Deutschen definitiv kein Weg an einer privaten Pflegetagegeldversicherung vorbei. Das gilt insbesondere auch deswegen, weil die Wahrscheinlichkeit zum Pflegefall zu werden, praktisch kontinuierlich zunimmt. Parallel dazu steigen die Pflegekosten aber an, die allein mit der aktuellen gesetzlichen Pflegeversicherung nicht einmal zur Hälfte abgedeckt werden können.

Die eindeutig „größere Hälfte“ der Kosten muss der Pflegebedürftige dann selbst tragen. Da die eigene Rente ohne zusätzliche Absicherung nicht reicht, frisst die Pflege genau diese Gelder der eigenen Rente nebst weiterer Reserven einfach auf. Ist dann alles aufgebraucht, werden die Angehörigen zur Kasse gebeten.

Pflege-Bahr: gut gemeint aber schlecht gemacht

Ungeachtet aller Kritik, hinsichtlich der nicht reichenden Leistungen, wird der „Pflege-Bahr“ selbst von der IVFP als „grundsätzlich gute Maßnahme“ – aber trotzdem als „äußerst fragwürdiges Konstrukt“ bezeichnet. Damit stimmt das Institut einstimmig in den Chor der Kritiker ein und fordert wichtige bzw. notwendige Nachbesserungen.

Die müssen dann allerdings soweit gehen, dass die Versicherten im Leistungsfall keine „bösen Überraschungen“ mehr erleben. Nur so kann das Vertrauen in die private Vorsorge wieder wachsen.

Wer nach Alternativen für die Pflege-Bahr Versicherung sucht, sollte möglichst viele Angebote der privaten Pflegeversicherung vergleichen. Hierzu gibt es die Testergebnisse aus dem Pflegeversicherung Test 2014 der Stiftung Warentest und anderer unabhängiger Experten



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