Finanzen & Recht

Pleite: Wer bezahlt die private Krankenversicherung?

Viele Gründe können dazu führen, dass man in eine finanzielle Notlage gerät. Auf den Versicherungsschutz muss man trotzdem nicht verzichten.

Selbstständige mit einer privaten Krankenversicherung können in den Notlagentarif wechseln. Aber wer bezahlt die Kosten für die Krankenkasse im Falle einer Pleite?

Notlagentarif oder PKV Basistarif?

Private Krankenversicherungen machen es ihren Versicherten, wenn sie in eine finanzielle Notlage geraten sind, alles andere als einfach. In Deutschland gibt es eine Versicherungspflicht.

Oft wird Mittellosen empfohlen, dass sie in einen sogenannten PKV Basistarif wechseln sollen. Die meisten Versicherten wollen diesen nicht in Kauf nehmen. Schließlich müssen dann für weniger Leistungen höhere Beiträge bezahlt werden.

Der sogenannte Notlagentarif stellt für privat Versicherte eine Alternative dar. Wer in diesen speziellen Tarif wechselt, ist dazu berechtigt, später wieder in seinen alten Tarif zu wechseln. Der Notlagentarif ist geeignet für Versicherte, die in eine vorüber­gehende finanzielle Notlage geraten sind.

Urteil: PKV muss Basistarif gewährleisten

Ein Selbständiger war viele Jahre lang nicht versichert. Er wollte bei seiner ehemaligen privaten Krankenversicherung in den Basistarif wechseln. Dieser Tarif muss von der Krankenkasse zur Verfügung gestellt werden. Niemand darf in diesem Tarif abgelehnt werden. Die Forderung von Risiko­zuschlägen oder der Ausschluss von Leistungen ist verboten.

Die Private Krankenversicherung des Selbstständigen verlangte Untersuchungen, die nichts mit den Fragen im Antrag zu tun hatten. Laut dem Landgericht Dortmund, darf die private Krankenversicherung dies nicht. Der Versicherer musste den Mann wieder in die Krankenversicherung aufnehmen. (Az. 2 O 159/ 12).

PKV Basistarif: Mehr Geld=weniger Leistung

Viele Tarife sind kostengünstiger und bieten mehr Leistungen als der Basistarif. Dieser schlägt mit etwa 610 Euro im Monat zu Buche.

Wer die Grund­sicherung oder das Arbeits­losengeld II in Anspruch nimmt, wird für gewöhnlich zum Wechsel in den Basistarif gezwungen.

Krankenversicherungen sind dazu verpflichtet, den Versicherungsbeitrag zu halbieren, damit die Kosten für das jeweilig zuständige Amt gesenkt werden.

Versicherte müssen in den Basistarif wechseln

Ein Versicherter musste den Wechsel in den Basistarif akzeptieren. Er war schwer krank und genoss stets die Chef­arzt­behand­lung. Das Landes­sozialge­richt Nord­rhein-West­falen entschied, dass der Mann es akzeptieren müsse, in den Basistarif zu wechseln (Az. L 9 SO 46/13).

Bisher ist noch nicht geklärt, ob die Krankenkasse den gesetzlich erlaubten Höchstbeitrag in Höhe von rund 610 Euro pro Monat abrechnen darf. Dies wird derzeit noch vom Gericht überprüft.

Prozesskostenhilfe für Versicherte

Ein Mann soll für geringere Leistungen fast 50 Prozent mehr bezahlen als in seinem früheren Krankenkassentarif. Dagegen möchte er vor Gericht angehen. Das Oberlandesgericht gewährt dem Mann Prozesskostenhilfe (Az. 8 W 17/ 12).

Ist der Notlagentarif eine Alternative zum PKV Basistarif?

Private Krankenversicherungen bieten den Notlagentarif erst seit kurzem an. Durch ihn wird die Akutversorgung sichergestellt. Er kostet etwa 100 Euro und ist für Selbstständige geeignet, die finanzielle Engpässe über einen kurzfristigen Zeitraum überbrücken müssen.

Bei einer vorüber­gehenden finanziellen Notsituation sollte man sich bevorzugt für den Notlagentarif, statt für den Basistarif entscheiden. Der Notlagentarif berechtigt schließlich zur Rückkehr in den alten Vertrag.



Erstellen Sie den ersten Kommentar!

Kommentieren

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.