Versicherung & Vorsorge

Private Krankenversicherung befürchtet Verteuerung von Pflege-Riester

Durch die Einführung des umstrittenen Pflege-Riesters will die Bundesregierung eine mögliche Pflegebedürftigkeit im Alter absichern. Der Staat zahlt dabei Zuschüsse von monatlich 5 Euro. Verbraucherschützer befürchten indes ein weiteres Auseinanderklaffen der sozialen Schere. Ihr Vorwurf, wohlhabende Bürger könnten sich die Pflege-Riester-Versicherung leisten, während immer mehr Teile der Bevölkerung teilweise nicht wissen, wie sie über den Monat kommen sollen. Dieser Vorwurf der Verbraucherschützer erhält nun Nahrung und zwar ausgerechnet durch die Versicherungswirtschaft selbst. Die privaten Krankenversicherer (PKV) befürchten eine deutliche Verteuerung der Pflege-Riester-Policen.

PKV: Pflege-Riester kann teurer werden als ungeförderte Form der Pflegeversicherung

Die privaten Krankenversicherer befürworten grundsätzlich die Einführung der neuen Pflege-Riester-Versicherung. Volker Leienbach, Vorsitzender des PKV-Verbandes, sagte hierzu, dass es ein wichtiges Signal sei, dass die Menschen selbst etwas zur Pflegevorsorge tun müssen. Die privaten Krankenversicherer seien allerdings in Sorge, was die Folgen für die Versicherungswirtschaft bedeuten würde, so Leienbach. So befürchtet er eine Verteuerung der geförderten Policen gegenüber den ungeförderten Pflegeversicherungsverträgen. Dies sagte Leienbach gegenüber der „Ärzte Zeitung“.

Staat setzt andere Maßstäbe an als private Pflegeversicherer

Als Begründung führte Leienbach an, dass der Staat Alte und kranken Menschen von der Pflege-Riester-Versicherung nicht ausnehmen will. Im Klartext bedeutet dies, dass im Gegensatz zur ungeförderten Versicherungsform die private Pflegeversicherung keinen Antragsteller abweisen darf. Auch eine Gesundheitsprüfung ist demnach unzulässig. Auch Risikozuschläge dürfen nicht erhoben werden. Zudem dürfen bestimmte Leistungen nicht ausgeschlossen werden. Diese Faktoren stellen aber für die Versicherungswirtschaft einen Kalkulationsfaktor bei der Berechnung der Beiträge dar, so Leienbach.

5 Euro Zuschuss vom Staat als Anreiz zum Abschluss von Pflege-Riester

Die Bundesregierung stellt im Bundeshaushalt 2013 derzeit ein Budget von 100 Millionen Euro für die Pflege-Riester-Zuschläge bereit. Wenn es sich um zertifizierte Pflegeversicherungsverträge handelt, will der Staat hierfür den Zuschuss von 5 Euro aus dem Budget ausgeben. Weil nun aber die privaten Krankenversicherer ankündigen, dass die Pflege-Riester-Verträge teurer werden als die ungeförderten Pflegeversicherungen, stellt sich bei den Pflege-Riester-Versicherungsverträgen die Sinnfrage. Leienbach sieht nur dann einen Sinn in der neuen Pflege-Riester-Versicherungsform, wenn der staatliche Zuschuss die Mehrkosten mindestens kompensiere.

Experten: Bundesregierung verkennt soziale Realitäten im Land

Die Pflege-Riester-Versicherungsform geht auf eine Initiative der FDP zurück. Daniel Bahr, Bundesgesundheitsminister, will mit der privaten Pflegeversicherung die staatlichen Kosten für die Pflegebedürftigkeit auf lange Sicht abmildern. Der Gedanke, der grundsätzlich gut gemeint ist, verkennt jedoch auch nach Ansicht vieler Experten die sozialen Realitäten im Land. Der Vorwurf der PKV stellt nun zudem die Planungskompetenzen der Bundesregierung und ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiter dahingehend infrage, als dass die Bundesregierung offenbar die Kalkulationsmechanismen, welche zur Beitragskalkulation dienen, vergessen haben, in die neu geschaffene Pflege-Riester-Versicherung einzubeziehen.



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