Allgemein, Konjunktur

Private Krankenversicherung: niedrige Zinsen der EZB problematisch

Seit Monaten sorgt die Europäische Zentralbank (EZB) für niedrige Zinsen am Geldmarkt. Der Wirtschaft sind die niedrigen Zinsen in aller Regel zuträglich. Davon ausgenommen ist jedoch die Versicherungsbranche. Die Versicherungsbranche trifft die Zinspolitik hart. Aus diesem Grunde haben die Versicherer nun ein Ende der Niedrigzinspolitik gefordert. Betroffen von der Niedrigzinspolitik der EZB ist nicht zuletzt auch die private Krankenversicherung.

GDV: Ende der Niedrigzinsen notwendig

Rolf-Peter Hoenen, Präsident des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) fordert denn auch ein rasches Ende der niedrigen Zinsen von der EZB. Neben den privaten Rentenversicherern seien auch die Lebensversicherer und nicht zuletzt die privaten Krankenversicherungen in besonderem Maße von den Niedrigzinsen betroffen, so Hoenen in einer Stellungnahme des GDV.

Durch die aktuelle Niedrigzinsphase sind beispielsweise die Altersrückstellungen der privaten Krankenversicherer betroffen. Die Altersrückstellungen würden
deshalb weniger Kapital aufbauen als bei höheren Zinsen. Die Versicherer müssten aus diesem Grunde versuchen, auf anderem Wege an das Geld für die Altersrückstellungen zu gelangen. Dies kann in einigen Fällen auch eine unfreiwillige Beitragserhöhung sein.

Kapitalertrag der Versicherer sinkt

Obwohl die Versicherungsbranche insgesamt ein Plus von 2,3 Prozent zu verbuchen hat, fielen die Einnahmen um 0,4 Prozent auf insgesamt 178,2 Milliarden Euro. Die derzeitigen Zinsen liegen zum Teil unterhalb der aktuellen Inflationsrate. „Arbeitende Gelder“ würden deshalb keine Zuwächse erfahren, sondern sich verringern, so Hoenen.

Da die Versicherer zu großen Teilen mit Staatsanleihen und Bankanleihen arbeiten würden, trifft die Niedrigzinspolitik die Versicherer hinsichtlich ihrer Einnahmen besonders. Die privaten Krankenversicherer besaßen im Jahre 2011 Rückstellungen in Höhe von rund 146 Milliarden Euro. 24 Milliarden zusätzlicher Rückstellungen gab es für den Bereich der privaten Pflegeversicherung.

PKV-Verbandschef Reinhold Schulte: PKV nicht am Ende

Reinhold Schulte vom PKV-Verband verweist in diesem Zusammenhang auf die nur 20 Milliarden Euro an Rückstellungen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Gleichzeitig verwahrt sich Schulte gegen den Vorwurf, dass die Private Krankenversicherung am Ende sei. „Es gibt heute so viele Privatversicherte wie nie zuvor“, so Schulte. Mit etwa neun Millionen Vollversicherten in der PKV und nochmals 22,5 Millionen Zusatzversicherungen sei die Private Krankenversicherung attraktiver denn je, so Schulte.

Hohe Zinsen sorgen für Beitragsstabilität in der privaten Krankenversicherung

Die zunehmenden Klagen über Beitragssteigerungen betrachtet Schulte hingegen nur als Einzelfalldiskussionen. Im Durchschnitt betrage die Beitragssteigerung in der PKV nur 2 Prozent, so der PKV-Verbandschef. In der langfristigen Betrachtung seien die Beiträge in der PKV mit rund 3,3 Prozent nur geringfügig höher ausgefallen als in der gesetzlichen Krankenversicherung, mit 3,1 Prozent, so Schulte ergänzend.

Sollte die Zinspolitik der EZB hin zu höheren Zinsen führen, wäre es auch möglich die Beiträge in der PKV anders zu kalkulieren, sind sich viele Experten einig. Ob dies so kommt, hängt nicht zuletzt auch von der weiteren europäischen Wirtschaftslage ab.



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