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Provinzial: Erfundenes Attentat Ausdruck von Überforderung?

Im Zuge der Diskussionen um einen möglichen Verkauf der Provinzial-Versicherung an die Allianz-Versicherungsgruppe kam es zu heftigen Protesten seitens der Belegschaft und auch seitens der Politik. kurz vor einer Betriebsversammlung drang die Meldung nach außen, dass der Vorstandschef der Provinzial Nordwest, Ulrich Rüther, bei einem Attentat verletzt worden sei.

Rüther gab an, nach einer Attacke eines vermummten Mannes einen Schraubenzieher in die Brust gestoßen bekommen zu haben. Die angebliche Attacke sorgte für viel Aufregung in den Medien und der Bevölkerung. Nunmehr muss der Vorstandschef der Provinzial Nordwest eingestehen, dass die zugefügten Verletzungen von ihm selber stammen. Der angebliche Angriff war demnach nur vorgetäuscht.

Rüther: Große Auswirkungen auf die Familie

Gegenüber der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft Münster hat Rüther eingeräumt, dass der Angriff frei erfunden war. Die Verletzungen indes waren lediglich oberflächlich, so dass Rüther nach ambulanter Behandlung im Krankenhaus entlassen werden konnte. Der Grund, warum die Attacke erfunden wurde, ist noch unklar. Wie es heißt, soll Rüther gegenüber der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei angegeben haben, dass es zu großen Auswirkungen durch die Turbulenzen im Zuge des im Raume stehenden Provinzial-Verkaufs auf seine Familie gekommen ist.

Wolfgang Kubicki (FDP): Erinnerung an einen Freund?

Ob Ulrich Rüther auch zukünftig Chef der Provinzial Nordwest bleiben kann, ist derzeit noch ungewiss. Allerdings kommt es zwischenzeitlich im Internet zu Solidaritätsbekundungen seitens Mitarbeitern der Provinzial-Versicherung. Auch die Politik stärkt Rüther den Rücken. So äußerte der Fraktionsvorsitzende der FDP im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, Verständnis für die Lage von Rüther. Kubicki, der durchaus gegenüber dem politischen Gegner austeilen kann, scheint sich in diesem Fall an seinen früheren Freund Jürgen Möllemann zu erinnern.

Dieser war damals wegen Äußerungen zu Israel und wegen illegaler Parteispenden in der öffentlichen Kritik und konnte den öffentlichen Druck letztlich nicht mehr aushalten und sprang bei einem Fallschirmsprung absichtlich in den Tod.

Vorgetäuschtes Attentat: Notruf der Psyche?

Rüther indes muss sich nun wegen Vortäuschen einer Straftat verantworten. Immer wieder wird offensichtlich, dass Spitzen-Manager einem enormen Druck ausgesetzt sind. Neben langen Arbeitszeiten und vielen Terminen können insbesondere weit reichende Entscheidungen, die das Schicksal vieler Menschen betreffen (Entlassungen) zu psychischen Ausnahmesituation bei den betreffenden Managern führen. Vielfach kommt es auch zu Burn-Out-Symptomatiken.

Ob Ulrich Rüther einer derartigen Ausnahmesituation zum Opfer gefallen ist, bleibt abzuwarten. In jedem Falle sollte jedoch die vermeintliche Angst, vor die wütende Belegschaft zu treten, als menschliche Schwäche gesehen werden und nicht als Akt eines vermeintlich Kriminellen, der von der eigentlichen Thematik, des im Raume stehenden Verkaufs an die Allianz, abzulenken versuchte. Deshalb sollte es keine Vorverurteilungen geben, sondern die selbst zugefügten Verletzungen des Ulrich Rüther offenbaren vielmehr, dass es sich um einen Notruf der Psyche handelte.



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