Politik

Pussy Riot: Von Punk und Protest zur Politik

Während die deutschen Spitzen-Wintersportler in Russland olympische Zeichen setzen und Medaillen gewinnen, setzen die beiden russischen Aktivistinnen Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina von der Punkband Pussy Riot in Deutschland politische Zeichen.

Im Rahmen der Berlinale besuchten sie die „Cinema for Peace“ Gala im Berliner Konzerthaus und präsentierten sich hier – auf ihrer ersten Pressekonferenz in Deutschland nach ihrer Freilassung – wie gewohnt kämpferisch.  Der „Cinema for Peace Award“ zeichnet Filme aus, die sich mit Menschenrechtsverletzungen, Kriegen und Rassismus auseinander setzen.

Nach fast zwei Jahren Haft aus Straflager entlassen

Die beiden jungen Mütter Nadeschda Tolokonnikowa (24 Jahre) und Maria Aljochina (22 Jahre) wurden vor zwei Jahren in Russland verhaftet, weil sie mit ihrer russischen Punkband Pussy Riot gegen die Wiederwahl von Präsident Wladimir Putin protestiert hatten.

In der Erlöser-Kathedrale in Moskau erregten die Frauen mit Strumpfmasken und einem so genannten Protestgebet Aufsehen. Sie wurden fest genommen und aufgrund von „Rowdytum aus Hass auf Gläubige“ von einem russischen Gericht zu zwei Jahren Haft im Straflager verurteilt. Vorbestraft waren sie nicht.

Anträge auf Haftentlassung der beiden Musikerinnen wurden abgelehnt, Hungerstreiks und Streit mit Aufseherinnen und anderen Gefangenen führten zur Verlegung in andere Straflager.

Erst im Dezember letzten Jahres stellte das Oberste Gericht Russlands schwere Verstöße bei der Verurteilung Tolokonnikowas und Aljochinas fest. Im Zuge einer breit angelegten Amnestie Wladimir Putins wurden sie schließlich begnadigt und konnten das Straflager verlassen.

Erster Auftritt in Deutschland bei der Berlinale

Nach ihrer Freilassung besuchten die beiden Russinnen Deutschland das erste Mal in der vergangenen Woche. Bei der „Cinema for Peace“ Gala im Rahmen der Berlinale gaben sie eine Pressekonferenz und wurden von Journalisten und Anhängern international gefeiert.

Unter anderem wurde der Dokumentarfilm „Pussy Riot – A Punk Prayer“ für den „Cinema for Peace Award for the Most Valuable Film of the Year“, also als wertvollster Film des Jahres, nominiert. Der Film handelt vom politischen Engagement der russischen Frauenband.

Der Name „Pussy Riot“ ist zu einer weltweit bekannten Marke geworden. So darf sich die Band nun allerdings nicht mehr nennen.

Neue Forderungen: Die Haftbedingungen von russischen Gefangenen verbessern

Nachdem Putin wieder gewählt wurde und somit die ursprüngliche Forderung der jungen Frauen nicht erfolgreich war, haben sie nun neue Pläne: Sie wollen die Bedingungen in russischen Gefängnissen verbessern oder zumindest erst einmal auf die schlechten Verhältnisse aufmerksam machen.

Dafür haben sie die Organisation „Zona Priva“ gegründet, ins Deutsche übersetzt „Zone des Rechts“. Die Gründung dieser Organisation, die nichts mit der russischen Regierung zu tun hat, war schon lange geplant. Sie wurde in der Vergangenheit allerdings immer wieder von den russischen Behörden aufgehalten.

Die zentralen Ziele der Organisation sind klar: Russische Gefängnisse sollten unter internationale Beobachtung gestellt werden, fordern sie. Außerdem müsste die Misshandlung von Gefangenen unter Strafe gestellt werden, so Tolokonnikowa.

Um diese Pläne erfolgreich umzusetzen können sie sich auch die Zusammenarbeit mit dem ebenfalls frei gelassenen Kremlkritiker Michail Chodorkowski vorstellen.

Tolokonnikowa und Aljochina erwägen Gang in die russische Politik

Auf der Pressekonferenz in Berlin berichteten Nadeschda Tolokonnikowa und Maria Aljochina außerdem von ihren politischen Plänen. Sie wollen den Schritt vom Punk in die Politik wagen und sich bei der nächsten Bürgermeisterwahl in Moskau aufstellen lassen und damit ins Moskauer Stadtparlament einziehen. Zur nächsten Präsidentschaftswahl wollen sie allerdings noch nicht antreten.



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