Wirtschaft

Rentenreform 2014: Rente mit 63 bezahlen auch die Rentner

Laut den Arbeitgeberverbänden bezahlen nicht nur die Beitragszahler die Mehrkosten für die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, sondern auch die Rentner selbst.

Sie sollen einen Drittel der Kosten bezahlen.

Was bedeutet das für die Rentner von heute?

Rentner machen Verluste

Statt ihren Ruhestand genießen zu können, müssen die Rentner mit Verlusten rechnen.

Nicht nur die Beitragszahler, auch die Rentner müssen im Rahmen von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles Rentenpaket tief in die Tasche greifen.

Aus Berechnungen der Arbeitgeber geht hervor, dass durch die Rentenreform 2014 die Rentensteigerungen bis 2030 um insgesamt etwa 55 Milliarden Euro niedriger ausfallen werden als gesetzlich erlaubt ist.

Für die Rentner bedeutet dies, dass sie ein Drittel der Gesamtkosten von über 160 Milliarden Euro für die Verbesserungen der Mütterrente, langjährig Versicherte und für die Erwerbsminderungsrente tragen müssen.

Finanzielle Belastung für die Rentner

In einem Dokument der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände oder kurz BDA, heißt es, dass die Rentner von heute über die geringeren Rentenanpassung mehr finanziell belastet würden als durch die Aufstockung der Mütterrente bessergestellt.

Rentenniveau sinkt

Durch die geplanten Rentenverbesserungen wird das Rentenniveau noch stärker sinken.

Im Jahr 2020 beträgt die Rente nur noch 46,9 Prozent. Bis 2030 wird das Rentenniveau nur noch 43,7 Prozent vor Steuern betragen.

Schuld daran ist die komplexe Rentenanpassungsformel. Demnach haben eine höhere Belastung der Aktiven und ein höheres Volumen der Rentenzahlungen negative Auswirkungen auf die Rentenerhöhungen. Diese fallen aufgrund der Rentenanpassungsformel letztendlich geringer aus.

Rentner kommen alleine für die Beitragserhöhung auf

Laut Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund soll die Rentenreform 2014 ihre ersten negativen Auswirkungen zeigen. Die Rentenanpassung soll 2015 um 0,8 Prozentpunkte sinken.

Darüber hinaus müssen die Rentner in Zukunft mehr Geld für die Pflegeversicherung bezahlen. Laut Koalitionsvertrag soll der Beitragssatz in den nächsten Jahren um insgesamt 0,5 Prozent steigen. Im Gegensatz zu den Arbeitnehmern müssen Rentner diesen Beitrag komplett alleine entrichten.

Beitragszahler besonders stark belastet

Durch die Rentenreform 2014 sind die Beitragszahler einer besonders starken Belastung ausgesetzt. Bis 2020 bezahlen sie etwa 60 Prozent der Kosten. Dabei hätte der Beitragssatz zum 1. Januar 2014 um 0,6 Prozentpunkte auf 18,3 Prozent gesenkt werden müssen.

Grund dafür sind die Rücklagen der Rentenversicherung. Diese betragen mittlerweile über 30 Milliarden Euro und liegen somit weit über der vorgeschriebenen Mindestreserve von eineinhalb Monatsausgaben.

Die GroKo hat die Beitragssenkung gestoppt. Der Bundestag hat am Donnerstag darüber beraten, ob der Beitragssatz auf dem alten Niveau eingefroren werden soll. Dadurch könnten jährlich zusätzlich 7,5 Milliarden Euro in die Rentenkasse fließen.

Rente mit 63 ist ein ‚kapitaler Fehler‘

Die Arbeitgeber bezeichnen die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren als ‚kapitalen Fehler‘. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssten jedes Jahr Milliardenbeträge aufwenden, um die subventionierte Frühverrentung bezahlen zu können, hieß es.

Grundsätzlich werde an der Rente mit 67 festgehalten. Der Einspareffekt tendiere jedoch gemessen an der verlängerten Lebensarbeitszeit durch die Ausnahmeregelungen für langjährig Versicherte nahezu gegen null.

Neue Rente ungerecht

Die neue Rente sei ungerecht, da vollem Rentner mit einer hohen Rente von der Reform profitieren würden. Langjährig Versicherte bekommen im Durchschnitt doppelt so hohe Renten wie alle anderen Versicherten. Dies sei eine Umverteilung von ‚unten nach oben‘, kritisierten die Arbeitgeber.

Jeder Vierte kann in Frührente gehen

Durch die abschlagsfreie Rente ab 63 nach 45 Beitragsjahren kann nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums jeder vierte langjährig Versicherte eines Jahrgangs vorzeitig in den Ruhestand gehen.

Von dieser Regelung würden derzeit etwa 200.000 Personen profitieren, also rund 30 Prozent der neuen Rentner.

Der Arbeitsstaatssekretär Jörg Asmussen von der SPD erklärte, dass die Zahl der Begünstigten in den nächsten Jahren steigen werde und etwa 25 Prozent der Zugänge in Altersrenten betragen werde.

Rente mit 63 wird in Anspruch genommen

Berechnungen der Arbeitgeber zufolge, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Begünstigten die abschlagsfreie Rente mit 63 in Anspruch nehmen werden. Schließlich würde es sich kaum noch lohnen, über das Alter von 63 Jahre hinaus zu arbeiten.

Wer länger arbeitet verschwendet Zeit?

Wer länger arbeiten würde, werde bestraft, hieß es. Der Standardrentner würde mit 63 eine monatliche Bruttorente in Höhe von 1266 Euro bekommen. Bis zur Regelaltersgrenze von 65 Jahren und sechs Monaten (Geburtsjahrgang 1952) würde die Rente lediglich auf 1337 Euro, um knapp 70 Euro erhöhen.

Rentner mit 63 hätten innerhalb von 30 Monaten bereits 38.000 Euro Rente bekommen. Rentner, die länger arbeiten, bekommen den Berechnungen zufolge lediglich 840 Euro mehr im Jahr, müssen dafür aber auch das gesamte Jahr über arbeiten. Um den Vorsprung wieder einzuholen, müsse der Rentner 110 Jahre alt werden.



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