IT & Internet

Reporter ohne Grenzen benennt die größten Internetfeinde

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat in einer jährlich erscheinenden Studie die größten Internetfeinde benannt, gemeint sind Staaten, die eine direkte Zensur oder eine Beschränkung desselben vornehmen. Demnach war das Jahr 2011 das Jahr mit den stärksten Einschränkungen des Internets in seiner Geschichte.

199 Netzaktivisten wurden weltweit festgenommen, eine Steigerung um 31 % zum Vorjahr. China, Vietnam und der Iran haben die meisten Festnahmen von Netzaktivisten vorgenommen.

Feinde des Internets

Laut Reporter ohne Grenzen sind die Internetfeinde folgende Staaten: Bahrain, Burma, China, Kuba, Iran, Nordkorea, Saudi Arabien, Syrien, Turkmenistan, Usbekistan, Vietnam und Weißrussland.

Bahrain wurde auf die Liste der größten Internetfeinde hinzugefügt, nachdem der Netzaktivist Zakariya Hassan, ein Forum-Moderator und Netzaktivist, nach seiner Festnahme im Gewahrsam unter bislang ungeklärten Umständen umgebracht wurde. In Weißrussland hat die regierung von Präsident Alexander Lukaschenko eine Reihe von Internetseiten und Blogs sperren lassen, darüberhinaus wurden viele Blogger inhaftiert.

Auch in Syrien wurde das Internet stark reglementiert, im Zuge der ausufernden Eskalation im Lande wurde das Internet gar zeitweilig ganz gesperrt. In China werden hingegen Filter eingesetzt, die die freie Nutzung des Internets stark einschränken. Irans Präsident Ahmedinejad hatte angekündigt, das im Lande verfügbare Internetangebot „säubern“ zu wollen. Die Reporter ohne Grenzen werfen Vietnam vor, katholische Netzwerke angegriffen zu haben, auch Umweltschützer, die den Abbau von Aluminium-Erz kritisierten, seien Opfer solcher Angriffe gewesen.

Beobachtungsliste (Watchlist) der Reporter ohne Grenzen

Auf der so genannten Beobachtungsliste (Original Watchlist) werden Staaten gelistet, die die freie Nutzung des Internets gefährden. Auf dieser Liste befinden sich folgende Staaten: Australien, Ägypten, Eritrea, Frankreich, Indien, Kasachstan, Malaysia, Russland, Südkorea, Sri Lanka, Thailand, Tunesien, Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Indien befindet sich neu auf der Liste, nach den Anschlägen in Bombay 2008 wurde die Nutzung des Internets zunehmend eingeschränkt. Auch in Kasachstan haben die Unruhen 2011 um die Stadt Schangaösen eine restriktive Internetpolitik ausgelöst.

Überraschenderweise befindet sich auch Australien auf dieser Liste, hier weil die Regierung einen Filter einsetzen will, um beispielsweise Kinderpornographie zu unterbinden. Doch Reporter ohne Grenzen befürchten, dass dieser Filter auch für andere Themen eingesetzt werden könnte. Frankreich hingegen ist aufgrund seiner Einmischung auf dieser Liste, insbesondere der vermeintliche Schlag gegen die so genannte Internetpiraterie stößt bei Reporter ohne Grenzen auf deutliche Kritik.

Die Lage in den nordafrikanischen Ländern Tunesien und Ägypten bezeichnet die Gruppe als besorgniserregend, da hier viele Blogger trotz oder wegen der Revolution inhaftiert wurden. Generell bemängelt die Organisation, dass das komplette Abschalten des Internets gängige Praxis zu werden scheint, weiterhin habe der Einsatz der so genannten Filter stark zugenommen. So hat die Türkei beispielsweise 138 Wörter online auf einen Filter setzen lassen.

Der Druck auf nationale Serverbetreiber nehme noch hinzu. Auch die so genannten DDoS-Attacken hätten zugenommen, meist im Auftrag von Staaten. Venezuela und Libyen (nach dem Abtritt von Gaddafi) sind hingegen von der Liste genommen. Die jährlich erscheinende Liste der größten Interfeinde wird auch im nächsten Jahr erstellt werden, dank Reporter ohne Grenzen.



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