Newsticker

Schavan: Doktortitel bald weg?

Die Universität Düsseldorf hat ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitel von Bundesbildungsministerin Annette Schavan eingeleitet. Annette Schavan hat ihre Doktorarbeit im Jahr 1980 geschrieben. Sie trägt den Titel “Person und Gewissen“. Die Universität Düsseldorf indes lässt sich auch durch Vorwürfe vonseiten der Politik nicht aus der Ruhe bringen.

In den letzten Tagen gab es zahlreiche Versuche, unter anderem von dem CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, argumentativen Einfluss auf den Ausgang der Entscheidung zur Einleitung des Aberkennungsverfahrens zu nehmen. Zudem gibt es zahlreiche Gegengutachten, die belegen wollen, dass es sich bei den offenbar plagiierten Stellen um bloße Flüchtigkeitsfehler gehandelt habe.

So werfen Wissenschaftsorganisationen der Universität Düsseldorf unwissenschaftliche Vorgehensweise vor. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass genau diese Organisationen, Partei für Schavan ergreifen. Genau diese Organisationen erhielten zuvor aus dem Bundesbildungsministerium beträchtliche Forschungsgelder.

Schavan will erneut in den Bundestag

Im Gegensatz zu Karl-Theodor zu Guttenberg hat Annette Schavan jedoch offenbar nicht in dem Umfang abgeschrieben wie der ehemalige Bundesverteidigungsminister. Schavan soll lediglich einzelner Abschnitte und Seiten ohne Quelle kenntlich gemacht haben. Die Ministerin hat trotz des gegen sie laufenden Anerkennungsverfahrens der Universität Düsseldorf angekündigt, dass sie erneut für den Bundestag im September kandidieren wolle. Ob sich die Bundesbildungsministerin jedoch auch in ihrem Ministeramt halten kann, hängt nicht zuletzt von dem Ausgang des Verfahrens ab.

Ungeachtet dessen dürfte der Ruf der Ministerin bereits jetzt derart ramponiert sein, dass kein Doktorand bei einem Vortrag der Bundesbildungsministerin noch hinhören würde. Der Universität Düsseldorf obliegt nunmehr die schwierige Entscheidung, Schavan den Doktortitel zu belassen oder abzuerkennen.

Sollte die Universität der Bundesbildungsministerin den Doktortitel belassen, dürfte dennoch der Ruf Schavans schwer beschädigt sein. Sollte der Fakultätsrat der Universität den Doktortitel aberkennen und die Ministerin weiterhin für den Bundestag kandidieren, so offenbart dies ein gewisses Maß an Dreistigkeit.

Annette Schavan: Bei zu Guttenberg aufgeregt

Hatte sich Schavan bei zu Guttenberg noch aufgeregt, weil dieser an dem Amt hing, macht sie es ihm nun offenbar gleich. Auch wenn sich die Bundesbildungsministerin hinsichtlich der abgeschriebenen Zeilen möglicherweise in einem rechtlichen Graubereich bewegt, sollte die Funktion der Bundesbildungsministerin im Fokus der Betrachtung stehen. Schavan ist zugleich auch Ministerin für Forschung und Wissenschaft.

Allein aus diesem Grunde macht sich die Universität Düsseldorf die Entscheidung nicht leicht. Dennoch steht auch die Ministerin wie der Fall zeigt, nicht über dem Gesetz. Die redlichen Wissenschaftler indes geraten bei derartigen Fällen mit in Misskredit, weil dadurch der Wert des akademischen Doktorgrades und der Habilitation (Schavan besitzt einen Professorentitel) ebenfalls sinkt.

Insofern obliegt es Annette Schavan auch den Ruf der Wissenschaft zu wahren. Ein letzter großer Dienst könnte ihr Rücktritt sein, unabhängig von dem Ausgang des Verfahrens. Sollte die Ministerin den Doktortitel behalten, wäre sie rehabilitiert und hätte dennoch Schaden von der Wissenschaft ferngehalten.



Erstellen Sie den ersten Kommentar!

Kommentieren

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.