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Schavan: Uni Düsseldorf nimmt offenbar Vorwurf der bewussten Täuschung zurück

Die Uni Düsseldorf rudert im Fall Annette Schavan zurück. So nimmt die Universität den Vorwurf der bewussten Täuschung nunmehr zurück. Die Promotionskommission hält nach einem Zeitungsbericht den bewussten Plagiatsvorwurf gegen Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) nicht mehr aufrecht.

Dennoch spricht sich die Kommission auch weiterhin für die Eröffnung eines Verfahrens zur Aberkennung der Doktorwürde aus. Begründet wird der Vorstoß zur Einleitung des Verfahrens damit, dass Schavan es in Kauf genommen habe, durch die Art der von ihr verwandten Zitierweise gegen die Normen der wissenschaftlichen Arbeitsweise verstoßen zu haben. Nach Angaben der Universität Düsseldorf habe Schavan dies billigend in Kauf genommen.

Entscheidung am Dienstag kommender Woche

Noch im Oktober vergangenen Jahres wurde ein interner Prüfbericht der Universität bekannt, in dem Schavan eine „leitende Täuschungsabsicht“ unterstellt wurde. Die Betroffene Bundesbildungsministerin hat den Vorwurf der bewussten Täuschung derweil mehrfach zurückgewiesen. Am kommenden Dienstag entscheidet nunmehr die Kommission der Philosophischen Fakultät darüber, ob das Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels offiziell eröffnet werden soll oder nicht. Annette Schavan hatte die Doktorarbeit vor 33 Jahren verfasst.

Verbleib Schavans im Amt fraglich

Ihr wird konkret vorgeworfen, fremde Textstellen 1:1 übernommen zu haben. Experten gehen davon aus, dass sich Schavan im Falle einer Aberkennung des Doktortitels im Amt der Bundesbildungsministerin nicht mehr halten kann. Der Sprecher des Bundesbildungsministeriums indes wollte sich zu einem möglichen Rücktritt von Schavan nicht äußern.

Sollte das Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels eingeleitet werden, so dürfte die Reputation der Bundesbildungsministerin in jedem Fall derart beschädigt sein, dass ein Verbleib im Amt auch dann fraglich würde.

Zitieren: Im ersten Studiensemester beigebracht

Auch wenn die zuständige Promotionskommission den Vorwurf der bewussten Täuschung nicht mehr erhebt, sollte die Ministerin jedoch wissen, dass die Art und Weise der wissenschaftlichen Arbeitsweise bereits im ersten Studiensemester im Rahmen von Einführungsveranstaltungen mit dem Titel „Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“ erlernt wird.

Insofern wiegt in einer Promotionsschrift ein derartiger Anfängerfehler, selbst wenn er unbeabsichtigt erfolge, derart schwer, dass die Aberkennung des Doktortitels die logische Konsequenz sein dürfte.

Retten die Paragrafen Schavan den Titel?

Allerdings könnte der Bundesbildungsministerin der Paragrafendschungel beim Erhalt des Doktortitels helfen. So darf der Doktortitel nur dann entzogen werden, wenn entweder eine arglistige Täuschung erfolgte oder beispielsweise der Titel durch Bestechung erlangt wurde. Ferner kann der akademische Grad entzogen werden, wenn Annette Schavan unvollständige oder bewusst falsche Angaben gemacht hat.

Dies wäre dann der Fall, wenn sie andere als die in der eidesstattlichen Erklärungen beigefügten Hilfsmittel benutzt hätte. Juristen sehen auch ein Plagiat als ein derartiges Hilfsmittel an. Insofern dürfte es am Ende eine juristische Auslegungssache sein, ob Schavan der Titel entzogen werden darf oder nicht. In jedem Fall stellt sich jedoch die Frage, ob eine Bundesbildungsministerin noch als Vorbild für die bundesdeutsche Bildungslandschaft taugt, wenn diese nicht einmal die Zitierregeln beherrscht, die im ersten Studiensemester jedem Studenten beigebracht werden.



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