Geld & Investment

Schiffsfonds: Droht eine Pleitewelle?

Viele Anleger müssen um ihre Schiffsbeteiligungen fürchten. Weil Schiffsfonds in der Regel geschlossene Fonds sind, lassen sich die Beteiligungen nicht so leicht verkaufen wie offene Fondsanteile, die börsentäglich veräußert werden können. Insgesamt sollen rund 275000 Bundesbürger an Schiffsfonds beteiligt sein. Derzeit stehen etwa 1430 Schiffsbeteiligungen schlecht da.

Die Anleger haben rund 32,4 Milliarden Euro in Tanker- Fracht- oder Containerschiffe investiert. Im schlimmsten Fall droht ein Totalverlust der Anlage. Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) sagte wörtlich zu der Lage vieler Schiffsbeteiligungen: „Die Schadenswelle wird jetzt so richtig anrollen“. Auch die Verbraucherzentralen warnen vor den Schiffsfonds. Sylvia Beckerle von der Verbraucherzentrale in Rheinland Pfalz glaubt derweil, dass viele Betroffene Anlagen besitzen, von deren Brisanz sie keine Ahnung haben.

Verkäufer streichen teilweise hohe Provisionen ein

Das Besondere an Schiffsfonds ist die Tatsache, dass es sich hierbei um geschlossene Fonds handelt. Diese zählen zum nicht staatlich regulierten grauen Kapitalmarkt. Durch die Einlage werden die entsprechenden Schiffstypen mitfinanziert. Insbesondere Gutverdiener konnten in früheren Zeiten mit der Beteiligung an Schiffsfonds hohe Steuervorteile erhalten.

Seit dem Jahr 2005 sind die Abschreibungsmöglichkeiten jedoch eingeschränkt worden. Die Anleger wurden mit Renditen zwischen zehn und zwölf Prozent in die Schiffsfonds gedrängt. Allerdings strichen die Verkäufer nicht selten acht Prozent des Anlagekapitals als Provision ein. Nachdem eine erste Pleitewelle im Jahr 2009 erfolgte, droht nun erneut eine Welle von „gekenterten Schiffsfonds“.

Verträge mit Laufzeiten von 20 Jahren keine Seltenheit

Insbesondere wenn die Bank der Reederei den Geldhahn zudreht, ist die Beteiligung oftmals wertlos, ein Totalverlust unvermeidlich. Zuletzt hatten im Mai mit der MS „Pride of Madrid“ sowie der MS „Pride of Paris“ zwei bedeutende Schiffsfonds Insolvenz beantragt. Weil seit der Finanzkrise im Jahr 2008 die Fracht-Container- und Charterraten deutlich zurückgingen, droht vielen Schiffsbeteiligungen das finanzielle Ende.

Viele Fonds können durch die erwirtschafteten Einnahmen die Kosten nicht mehr ausgleichen und drohen nun insolvent zu werden. Da viele geschlossene Verträge eine Laufzeit von 20 Jahren aufweisen, ist ein vorzeitiger Verkauf der Anteile nicht möglich. Wer indes eine Falschberatung nachweisen kann, der hat die Chance sein Geld zurückerstattet zu bekommen, selbst wenn die Beteiligung eigentlich noch weiterlaufen würde.

Insbesondere wenn dem Anleger die Provisionshöhe des Verkäufers verschwiegen wird, besteht die Möglichkeit unter Berufung auf ein jüngst erlassenes Urteil des Bundesgerichtshofes eventuell sein angelegtes Geld zurückzuerhalten. Die Erstattung der Beträge erfolgt dann jedoch nicht durch den Schiffsfonds selbst, sondern vielmehr durch den Verkäufer, also in aller Regel durch die Bank oder Sparkasse.



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