Finanzen & Recht

Schuldneratlas 2012 – Immer mehr Bundesbürger sind pleite

Trotz einer immer weiter sinkenden Arbeitslosenquote steigt die Zahl der Menschen in Deutschland, die ihre Zahlungsverpflichtungen dauerhaft nicht mehr begleichen können. Insgesamt rund 6,6 Millionen erwachsene Bundesbürger ab 18 Jahren befinden sich dauerhaft in der Schuldenfalle, darunter immer mehr Frauen.

Verglichen mit dem Jahr 2011 hat sich die Zahl der überschuldeten Personen um etwa 190.000 auf insgesamt 6,6 Millionen erhöht. Dies geht aus dem „Schuldneratlas 2012“ hervor. Insgesamt sind damit 9,7 % der erwachsenen Bundesbürger in Deutschland überschuldet.

Immer mehr private Gründe für Überschuldung verantwortlich

Dies überrascht insofern, als dass die Arbeitslosigkeit weiter sinkt. Vielfach sind die klassischen Gründe für eine Überschuldung nicht mehr gegeben. Demnach ist die Arbeitslosigkeit zwar für rund ein Viertel der verschuldeten Personen der maßgebliche Grund, verglichen mit dem Jahr 2011 liegt dieser Wert jedoch um 15 Prozent niedriger. Etwaige Insolvenzen im Rahmen einer früheren Selbstständigkeit gingen sogar um ein Fünftel zurück. Lediglich 7,4 % der Überschuldungsfälle sind auf eine gescheiterte selbstständige Tätigkeit zurückzuführen.

3,8 Millionen Erwachsene in Deutschland dauerhaft in der Schuldenfalle gefangen

Zugenommen hat hingegen die Summe der privaten Gründe wie Trennung, Scheidung oder Erkrankungen. Insbesondere jüngere Erwachsene sind von Konsumschulden betroffen. Wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mitteilt, ist in Deutschland nahezu jeder zehnte Erwachsene überschuldet. Rund 3,8 Millionen Personen sind auf lange Sicht nicht in der Lage aus der Schuldenfalle zu entkommen. Insbesondere strukturschwache Regionen wie das Ruhrgebiet oder einige Gebiete in den neuen Bundesländern oder aber auch Regionen wie Bremerhaven sind besonders von dieser Situation betroffen. In Bremerhaven sind nahezu 18,32 % der Erwachsenen überschuldet.

Internetkäufe verleiten zu schneller Überschuldung

Insbesondere der Kauf von Konsumgütern im Internet verleitet viele Menschen zu unüberlegten Käufen. Auch Ratenkredite lassen sich im Internet sehr schnell abschließen und ermöglichen damit eine noch einfachere Verschuldung der Betroffenen. Wie Michael Bretz, Sprecher der Creditreform mitteilt, beginnt die Überschuldung nicht sofort, sondern ihr geht eine Vielzahl an Mahnungen voraus. Im weiteren Verlauf folgen eidesstattliche Versicherungen Zwangsversteigerung von Immobilien oder Mobiliar und letztlich Privatinsolvenzen. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, dass von dieser Entwicklung nahezu jede Gesellschaftsschicht betroffen ist.

Zunehmend auch die Mittelschicht betroffen

Neben Geringverdienern sind insbesondere auch Rentner und junge Leute unter 30 Jahren von Überschuldung betroffen. Als überschuldet gilt in Deutschland derjenige, der auf absehbare Zeit seine Schulden nicht bezahlen kann. Was jedoch auf den ersten Blick nicht auffallen mag, ist die Tatsache, dass auch die Mittelschicht immer mehr von diesem Problem betroffen ist. Insbesondere der Konsumwunsch in Bezug auf Statussymbole verleitet immer mehr Menschen, auch der Mittelschicht, dazu, sich in die Schuldenfalle zu begeben.

Jeder Überschuldete durchschnittlich mit 33.000 EUR in den Miesen

Derzeit besitzt nahezu jeder der überschuldeten Verbraucher durchschnittlich 33.000 EUR Schulden. Interessant ist in diesem Zusammenhang außerdem, dass für die Überschuldung lediglich in 2 Prozent der Fälle ein Immobilienerwerb verantwortlich ist. Vielfach sind Autokäufe und deren Finanzierung einer der Gründe, warum Menschen sich in die Verschuldungsfalle begeben. Weil sich die Wirtschaftsaussichten in naher Zukunft wohl verschlechtern werden, ist mit einer Zuspitzung der Problematik zu rechnen. Insbesondere ein Verlust des Arbeitsplatzes kann der Beginn einer Verschuldungskarriere sein. Experten erwarten einen Anstieg der überschuldeten Personen auf mindestens 10 Prozent im nächsten Jahr.



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