Unternehmen

Siemens: Löscher soll zehn Milliarden Euro in den Sand gesetzt haben

Einst galt er als Vorzeigemanager Deutschlands. Insbesondere im Umgang mit der Korruptionsaffäre bei Siemens verdiente sich Peter Löscher große Anerkennung. Nun aber fällt der einstige Vorzeigemanager tief.

Nach mehreren Misserfolgen entschied eine Krisensitzung des Siemens-Aufsichtsrates, dass Peter Löscher in der ordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats am 31. Juli 2013 vorzeitig aus dem Amt scheiden solle. Neben der Abberufung Löschers soll zugleich der neue starke Mann bei Siemens benannt werden.

Offenbar schon Nachfolger für Löscher gefunden

Wie aus Unternehmenskreisen zu entnehmen ist, hat sich die Mehrheit des Aufsichtsrats auf Joe Kaeser als neuen Vorstandsvorsitzenden geeinigt. Fraglich bleibt, ob Peter Löscher der vorzeitigen Entlassung zustimmen wird oder eine Kündigung riskiert. Insbesondere im Hinblick auf eventuelle Abfindungen dürfte daher die letzte Lösung die günstigere für Löscher sein. Ursprünglich läuft der Vertrag des derzeitigen Vorstandsvorsitzenden nämlich noch bis zum Jahr 2017.

Siemens muss wohl hohe Abfindung zahlen

Bei einer gütlichen Einigung dürfte Peter Löscher noch mit einer Abfindung in Höhe von etwa neun Millionen Euro rechnen dürfen. Noch am Samstag hieß es, dass der derzeitige Vorsitzende um seinen Job kämpfen wolle. Erst am Donnerstag kündigte der Noch-Vorsitzende von Siemens an, die Gewinnprognose für das kommende Jahr zu revidieren und nach unten anzupassen.

Zahlreiche Misserfolge begleiteten Löschers Amtszeit

Vor kurzem erklärte Löscher noch in einem Interview mit der “Süddeutschen Zeitung“, dass es nie „seine Art war, aufzugeben“. Während seiner Amtszeit musste Siemens jedoch zahlreiche Misserfolge hinnehmen. Einerseits war da das verteuerte Einkaufen der Labordiagnostiksparte, andererseits die voreilig eingeleitete Trennung von Areva.

Zudem war es Siemens nicht gelungen, Anschlüsse von Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee zu ermöglichen. Auch der pünktliche Liefertermin der neuen ICE-Flotte für die Deutsche Bahn wurde um ein Jahr nach hinten verschoben. Letztlich war auch das von Löscher betriebene Solargeschäft ein Flop.

Gerhard Cromme stellte sich bis zuletzt hinter Löscher

Auf der letzten Hauptversammlung klagte bereits der Fondsmanager der DWS, Henning Gebhardt, dass „die Entwicklung des Unternehmens in den letzten 18 Monaten nur noch enttäuschend gewesen“ sei. Der Aktionär Hans-Martin Buhlmann rechnete derweil vor, dass der Noch-Vorsitzende Peter Löscher rund 10 Milliarden Euro „vergeigt habe“.

Der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme indes hatte sich zuvor noch hinter Löscher gestellt. Cromme gilt als Mentor von Peter Löscher. In Teilen des Unternehmens galt der nun wohl folgende bisherige Finanzvorstand Joe Kaeser bereits seit längerem als der heimliche starke Mann. So konnte Kaeser auf so mancher Unternehmensveranstaltung mit großem Fachwissen überzeugen.

Löscher hingegen beließ es oftmals bei strategisch ausgerichteten Aussagen. Wie auch immer die Trennung von Peter Löscher erfolgen mag, Siemens dürfte eine hohe Abfindung für Löscher zahlen müssen. Wie sooft im Leben, hat auch eine vorzeitige Trennung ihren Preis.



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