Politik

Somalia: Dürre, Hungersnot und großer Flüchtlingsstrom

Eine der schlimmsten Dürren der vergangenen 60 Jahren hat in Somalia eine große Hungersnot ausgelöst, tausende von Hunger gezeichnete Menschen befinden sich auf der Flucht.Das Leben der Flüchtlinge wird durch die Abwesenheit einer funktionierenden Zentralregierung noch zusätzlich erschwert, marodierende banden und radikale Milizen überfallen die Flüchtlingstrecks. Die Flüchtlinge fliehen größtenteils zu Fuß, die Meisten müssen wochenlang marschieren. Viele finden Zuflucht in den Flüchtlingscamps im Norden Kenias. Die Dürre wird durch den internen Konflikt noch zusätzlich verschärft.

Das vergessene Elend am Kap Horn

Seit dem Sturz der Diktatur von Siad Barre im Jahre 1991 tobt ein Bürgerkrieg, meist mit wechselnden Fraktionen. Nachdem der Militärdiktator vertrieben wurde, versuchten die Fraktionen, die sich entlang der Clans bildeten, die Macht für sich zu behaupten. Seit dem Jahre 2000 existiert eine international anerkannte Übergangsregierung, die aber nicht einmal in der Hauptstadt Mogadischu über Einfluss verfügt. Lediglich im Norden des Landes existiert so was wie Stabilität, das Puntland und das Somaliland haben sich als unabhängig erklärt, werden aber international nicht anerkannt. Anfang der 90er hat eine Hungersnot, ausgelöst durch den Bürgerkrieg, schätzungsweise bis zu 500.000 Menschen das Leben gekostet. Auch die internationale UNOSOM-Mission scheiterte, spektakulär war der Abzug der US-Truppen 1994. Auch Äthiopien griff 2006 in den Bürgerkrieg ein und vertrieb die so genannte Union islamischer Gerichte.

Piraterie in Somalia- nicht ohne Grund

Durch eine fehlende Regierung wird auch kein Küstenschutz geboten, daher werden an der Küste Somalias Giftmüll und Atommüll ins Meer verklappt. Weit gravierender ist die Überfischung, hier treten hochmoderne Trawler aus Industrienationen gegen die kleinen Fischerboote der Somalier an. Hierin ist ein wesentlicher Grund zu finden für die Piraterie an der Küste Somalias.

Erosion, Verwüstung und nun die Dürre

Durch Überholzungen, weil Holz das traditionelle Feuermittel ist (und aufgrund fehlender Alternativen), ist eine rapide Zunahme der Wüste festzustellen. Zudem bedroht eine starke Erosion die Fruchtbarkeit somalischer Anbauflächen. Weil die Sicherheitslage im Inneren so prekär ist sind die meisten Hilfsorganisationen aus dem Land geflohen. Durch die vorherrschende Dürre ist das land nicht mehr in der Lage ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren. Nun sind nach FAO-Angaben (Food and Agriculture Organization of the UN) acht Millionen Menschen entlang der Ostafrikanischen Küste vom Hunger bedroht. Aus den genannten Gründen trifft diese Hungersnot die Menschen in Somalia mit voller Wucht, hier sind 2,5 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht.

Flüchtlingsströme ins Ungewisse

Schon jetzt befinden sich 1,7 Millionen Menschen im Inneren auf der Flucht (so genannte Binnenflüchtlinge), aufgrund der Dürre fliehen immer mehr Menschen nach Äthiopien und nach Kenia. Eines der größten Flüchtlingslager der Welt befindet sich in Dadaab, im Norden Kenias. Eingangs gedacht für 90.000 Menschen leben hier jetzt schon 380.000 Menschen. Die Regierung in Kenia sieht sich außerstande weitere Flüchtlinge aufzunehmen, deswegen hat sie sich an die UN und an die Industrienationen gewendet. Doch diese werfen der Regierung vor, lediglich mehr Geld herausschlagen zu wollen; damit ist aber den Menschen vor Ort nicht geholfen. Anwesende Hilfsorganisationen prognostizieren, dass die Zahl der Menschen im Flüchtlingslager auf über 500.000 anwachsen könnte. Diese Menschen dürfen in Kenia nicht arbeiten, selbst um das Lager verlassen zu dürfen brauchen sie eine behördliche Genehmigung.Wie sich die Lage vor Ort entwickeln wird, bleibt ungewiss, fest steht nur, dass die Welt nicht wegschauen darf.

Geneigte Leser können eine Spende an die Diakonie tätigen, die mit Partnern auch direkt im Flüchtlingslager Dadaab tätig sind.



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