Politik

Steinbrück Erpressung: Focus macht Meinung

Steinbrück gerät zunehmend in die Defensive. Nun versucht ein Unbekannter den SPD-Kanzlerkandidaten wegen einer Putzfrau zu erpressen. Das Nachrichtenmagazin Focus titelt in seiner Online-Ausgabe “SPD-Kandidat soll Putzfrau illegal beschäftigt haben. Per Steinbrück wird erpresst-Unbekannter fordert Rückzug der Kanzlerkandidatur.“

Was auf den ersten Blick wie ein normaler Nachrichtenartikel klingt, erhält dadurch Brisanz, wenn man die Überschrift mit derjenigen nahezu sämtlicher anderer renommierter Zeitschriften und Zeitungen in ihren Online-Ausgaben vergleicht. Dort lauten die Titel “Steinbrück wird erpresst“, “SPD-Kandidat wegen Putzfrau erpresst“ oder ähnlich.

Focus: Geschickte Wortwahl bei der Überschrift

Der Focus seit langem dafür bekannt, dass dieser eine politischen Nähe zur Union haben soll, stellt hingegen in seinem Artikel den Grund der Erpressung nämlich eine angeblich illegale Beschäftigung der Putzfrau seitens Peer Steinbrück an den Anfang des Artikels. Der Artikel macht sehr deutlich, wie Medien Politik versuchen zu beeinflussen. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass der eigentliche Inhalt des Artikels im Prinzip das wiedergibt, was sämtliche andere Online-Artikel ebenfalls wiedergeben. Durch die plakative Überschrift hingegen wird die Psychologie bemüht. Der eigentliche Inhalt des Artikels wird dabei von vielen oftmals nicht einmal gelesen. Letztlich soll der Bevölkerung dadurch suggeriert werden, dass Peer Steinbrück die Putzfrau möglicherweise illegal beschäftigt hat, die Erpressung tritt dabei in den Hintergrund. Auch die Wortwahl “SPD-Kandidat“ rückt dabei die SPD in das Auge der Betrachtung. Der Fehler der Focus-Redaktion ist jedoch der, dass das Ganze im Lichte der anderen Artikel zu offensichtlich ist. Der journalistische Kodex wurde dabei aber nicht einmal verletzt, da der Artikel selbst keine ehrverletzenden oder unwahren Tatsachen widerspiegelt. Letztlich macht das Nachrichtenmagazin Focus also nur durch die plakative Überschrift Meinungen, das aber sehr geschickt. Zwischenzeitlich hat das Nachrichtenmagazin die umstrittene Passage geändert und damit offenbar auf die Kritik reagiert.

Philippinen ist nach eigenen Angaben der Familie Steinbrück sehr dankbar

Betrachtet man jedoch den Inhalt sämtlicher anderer Online-Artikel, dann wird deutlich, dass die Familie von Peer Steinbrück die Putzfrau eben nicht illegal beschäftigte, sondern diese stattdessen deutlich gemacht hat, dass eine illegale Beschäftigung nicht möglich sei. Hintergrund des Erpressungsversuchs ist es, dass ein unbekannter Erpresser erfahren haben will, dass die Familie Steinbrück “ für eine begrenzte Zeit“ eine philippinische Putzhilfe angeblich schwarz beschäftigt haben soll. Diese hatte sich zur damaligen Zeit illegal in der Bundesrepublik Deutschland aufgehalten.

Der Erpresser verlangt nun, dass Steinbrück seine Kanzlerkandidatur aufgeben soll. Gertrud Steinbrück, die Ehefrau von Peer Steinbrück, teilte derweil gegenüber der “Bild“-Zeitung mit, dass die Putzhilfe im Jahr 1999 bei ihrer Mutter beschäftigt gewesen sei. Die Mutter ist im Jahr 2003 verstorben. Steinbrück hatte zur damaligen Zeit gerade seine Tätigkeit als Wirtschaftsminister Nordrhein-Westfalen angetreten. Die Mutter von Gertrud Steinbrück hatte dem Ehepaar Steinbrück daraufhin die Putzhilfe als Geschenk für den Einzug in die Wohnung nach Bonn geschenkt. Sie sollte einmal in der Woche bei dem Ehepaar saubermachen. Die Abrechnungen der geleisteten Stunden erfolgte jeweils über die Mutter von Gertrud Steinbrück.

Gertrud Steinbrück bot der Philippinin nach einem halben Jahr einen eigenen Arbeitsvertrag an, den die Frau aus den Philippinen jedoch ablehnt, weil sie dadurch zusammen mit ihrem Ehemann ihren Aufenthaltsstatus verloren hätte. Das Angebot einer Schwarzarbeit lehnte Gertrud Steinbrück ab und gab der philippinischen Putzhilfe als Abschiedsgeschenk 500 DM. Die später eingestellte Putzhilfe wurde im Rahmen eines Arbeitsvertrages über die Knappschaft bei der Mini-Job-Zentrale versichert. Die philippinische Putzhilfe bestätigte derweil die Tätigkeit bei der Familie Steinbrück und dankte ihr für die damals gewährte Unterstützung sehr.



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