Politik

Steinmeier Plagiat-Vorwurf: Focus in der Kritik

Der Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, hat den Präsidenten der Universität Gießen, Professor Dr. Joybrato Mukherjee, gebeten, seine Doktorarbeit überprüfen zu lassen.

Der an der Fachhochschule Dortmund lehrende Professor Uwe Kamenz hatte eine E-Mail mit einem Prüfbericht zur Dissertation von Steinmeier an die Universität Gießen geschickt. Steinmeier hatte dort 1991 seiner Doktorwürde erhalten. Der SPD-Fraktionsvorsitzende kritisierte zugleich die Zeitschrift “Focus“.

Nachrichtenmagazin Focus zahlte Geld an Kamenz

Das Nachrichtenmagazin hatte als erstes über den Plagiatsfall berichtet. Gegenüber der “Süddeutschen Zeitung“ hat das Magazin nun aber zugegeben, für das Recht auf Erstpublikation an Professor Kamenz Geld bezahlt zu haben. Demnach sei nach Angaben des Burda-Verlages (Verlegerin des “Focus“) zweimal ein Betrag im dreistelligen Euro-Bereich an Kamenz geflossen. Nach Angaben einer Burda-Sprecherin sei die Zahlung “losgelöst von der Untersuchung bestimmter Dissertationen erfolgt“.

Geht es Professor Kamenz nur ums Geld?

rank-Walter Steinmeier forderte den Präsidenten der Fachhochschule Dortmund derweil auf, sich des Falles anzunehmen. Kamenz wirft Steinmeier vor, insgesamt rund“ 400-mal Anführungszeichen als Nachweis von Zitaten in seiner Dissertation vergessen zu haben“. Kamenz räumte derweil ein, Geldzuflüsse von dem Nachrichtenmagazin “Focus“ erhalten zu haben. Der Fachhochschulprofessor hat ein Plagiatssuchprogramm entwickelt, mit dem Namen “ProfNet“. Vor kurzem wurde bekannt, dass das von Kamenz gegründete “Institut für Internet-Marketing“ ein Ranking von Plagiatsfällen erstellen will. Vonseiten der Wissenschaft wird Kamenz jedoch vielfach kritisiert. So wird ihm vorgeworfen, in erster Linie wirtschaftliche Interessen zu verfolgen und nicht sich der Aufklärung von wissenschaftlichem Fehlverhalten widmen zu wollen.

Steinmeier erhält Rückendeckung von Jura-Professor

Zwischenzeitlich hat Steinmeier von mehreren anerkannten und renommierten Fachwissenschaftlern Rückendeckung erhalten. Demnach stuft unter anderem der in Berlin lehrende Professor der Rechtswissenschaften, Gerhard Dannemann, die von Kamenz kritisierten angeblichen Verstöße der wissenschaftliche Arbeitsweise von Steinmeier als lediglich gering ein. Nach Angaben von Dannemann sei er selbst auf drei als kritisch einzustufende Passagen in der Dissertation von Steinmeier gestoßen. Sollte es bei diesen drei Passagen bleiben beziehungsweise diese sich nicht weiter ausweiten, so dürfte das Fehlverhalten von Steinmeier wohl kaum als Plagiat einzustufen sein. Vielmehr würde es sich dann um schludrige Arbeitsweise handeln. Dadurch jedoch die gesamte wissenschaftliche Arbeit von Steinmeier in Abrede zu stellen, dürfte sich die Universität Gießen wohl nicht trauen.

Will der “Focus“ einen Minister Steinmeier verhindern?

Steinmeier selbst sieht dem Ergebnis einer Überprüfung seiner Dissertation mit so wörtlich “großer Gelassenheit entgegen.“ Demgegenüber dürfte die Rolle von Professor Kamenz zukünftig kritischer beäugt werden. Auch die Rolle des Nachrichtenmagazins “Focus“ stellt sich in dem Licht des Geldzuflusses an Kamenz als sehr fragwürdig heraus. Wollte der“ Focus“, dem eine Nähe zur Union nachgesagt wird, womöglich durch den Vorstoß einen Minister Steinmeier in einer großen Koalition verhindern?



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