Politik

Südsudan: Der vergessene Konflikt- UN erklärt humanitäre Katastrophe

Der Konflikt an der sudanesisch südsudanesischen Grenze eskalierte in den vergangenen Tagen, aufgrund des bewaffneten Konfliktes droht nun eine humanitäre Katastrophe, erklärt die UN. Seit dem 9. Juli gilt Südsudan als eigenständiger Staat, obwohl beide Staaten ein Grenzabkomnmen erzielt haben, schwelt zwischen den Staaten immer noch ein Konflikt. So wirft der Sudan dem neuen Staat vor, dass dieser bewaffnete Gruppen im Sudan unterstützen würde, als Gegenmaßnahme hat der Sudan eine Wirtschaftsblockade gegen Südsudan verhängt. Erschwerend kommt noch die Dürrekatastrophe am Horn von Afrika hinzu. Nach Angabe der UN sind 50.000 Menschen direkt von einer Hungerskatastrophe gefährdet, eine humanitäre Aktion der UN ist nun in Vorbereitung.

Letzte Woche hätten 6000 bewaffnete Männer des Nuer Stammes die Stadt Pibor im Bundesstaat Jonglei im Südsudan angegriffen. Was im Westen stets gerne als ethnischer Konflikt ausgegeben wird, hat in der Realität handfeste Gründe. Die Nuer sind traditionelle Rinderzüchter, während die Menschen in Pibor eher Ackerbau betreiben. Es geht um handfeste Gründe, wie Weideland oder noch mehr um das knappe Gut Wasser. Die Dürre heizt den Konflikt zusätzlich an.

Seit der Unabhängigkeit aus der britischen Kolonialherrschaft 1956 waren Gruppen aus dem Südsudan (aber auch anderswo) bestrebt, die Unabhängigkeit gegen den Norden (und insbesondere gegen die Hauptstadt Khartoum) zu erzielen. Ein desaströser Bürgerkrieg war die Folge, erst 2005 erzielten die Regierung in Khartoum und die SPLA (Sudanesische Befreiungsarmee) ein Friedensabkommen, ein Volksentscheid 2011 verlief zu Gunsten der Unabhängigkeit des Südsudan. Doch in beiden Staaten existieren viele „ethnische“ Gruppen und verschiedenste Religionen, die sich zum Teil untereinander bekämpfen, aber weniger weil die Konflikte ethnisch geprägt wären, sondern vielmehr weil wirtschaftliche Gründe vorliegen.

Selbst innerhalb der SPLA kam es zu Spaltungen und Kämpfen, so erklärte der ehemalige Kommandant der SPLA George Deng den Krieg gegen die eigene Organisation, weil Wahlen gefälscht worden wären. Durch die bewaffneten Auseinandersetzungen leidet auch die örtliche Wirtschaft, vor allem die Landwirtschaft. Durch die aktuellen Kämpfe seien über 60.000 Menschen geflohen, so die UN. Dabei gilt der Sudan, und auch der Südsudan, als das Land mit den meisten Binnenflüchtlingen auf der Welt. So hat beispielsweise der Konflikt im Bundesstaat Südkordofan im Sudan weitere 75.000 Menschen fliehen lassen, meist in den Südsudan. Hier kämpft die so genannte SPLA-Nord gegen die Zentralregierung, Anlass waren wieder einmal Wahlen zum neuen Gouverneur im Bundesstaat. Daneben existieren weiterhin Konflikte im Bundesstaat Darfur, hier die JEM (Justice and Equality Movement) und die SLA (Sudan Liberation Army) gegen die Zentralregierung. Und auch im Osten des Sudan (hier die so genannte Eastern Front) wird gekämpft. Dabei gelten der Sudan und Südsudan reich an Bodenschätzen, doch die Vorkommen können aufgrund der Konflikte kaum ausgebeutet werden. Die sich abzeichnende humanitäre Katastrophe im Sudan und im Südsudan wird dabei nicht helfen, die Situation für die Menschen vor Ort zu ändern.



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