Wissenschaft

Super-GAU Fukushima: 20 Hotspots alleine in Tokio?

Seit Wochen kommen die Bewohner von Tokio nicht mehr zur Ruhe, obwohl das havarierte AKW Fukushima 200 Kilometer von der japanischen Hauptstadt entfernt liegt, werden immer mehr Hotspots, also begrenzte Punkte mit erhöhter Radioaktivität, in Tokio gefunden. Doch nicht immer muss die radioaktive Strahlung aus Fukushima stammen, der Fund eines Hotspots im Stadtbezirk Setagaya könne nach Aussagen von Experten gar nicht aus Fukushima stammen. Doch immer mehr andere Hotspots werden aufgefunden, nun wollen privat-beauftragte Experten 20 Hotspots in und um Tokio aufgefunden haben.

Die Regierung beteuerte immer wieder, dass aus Fukushima kein nennenswertes Fallout bis nach Tokio vordringen konnte. Doch inzwischen werden immer mehr Hotspots mit Cäsium-Isotopen aufgefunden. So fand man auf einem Baseballplatz für Kinder mitten in Tokio bedenkliche Cäsiumwerte, die Strahlung sei so hoch wie in der unmittelbaren Umgebung von Tschernobyl. Anwohner sind alarmiert und fordern verständlicherweise eine Ausweitung der radioaktiven Messungen. Nun stellt sich die dringliche Frage, wie weit die Kontamination aus Fukushima reichen kann.

Nach dem Unfall am 11. März in den darauffolgenden Tagen wehte der Wind meistens Richtung Pazifischer Ozean, die japanische regierung beeilte sich zu erklären, dass nach Tokio keine gefährlichen Mengen des nuklearen Fallouts gelangt sein könnten. Auch die verhaltene Informationspolitik der Regierung trug nicht zum Vertrauen der Bevölkerung bei, wie sich zeigt, womöglich zu Recht. So hatte die Regierung nicht einmal angegeben, wieviel Radioaktivität bis in die Millionenmetropole vordringen konnte. Der Fund von Hotspots in Tokio zeigt aber, dass anscheinend doch radioaktive Partikel vorgedrungen sind und dass die Kontamination weitere Kreise zieht, als bislang angenommen.

Die Regierung hatte zuvor landesweite Messungen durchführen lassen, auch in Tokio wurde gemessen. Allerdings scheint die Suche zu grob angelegt, die neuen Hotspots sind wesentlich kleiner und werden folgerichtig als Microhotspots bezeichnet. Aufgrund der Verunsicherung innerhalb der Bevölkerung formierte sich erst auf Facebook, später dann eigenständig, eine Bürgerbewegung „Radiation Defense Project“. Hier messen besorgte und engagierte Bürger mit eigenen Dosimeter die Gegend in Tokio, sie waren es, die die Hotspots auch entdeckten. Von den bislang untersuchten 132 Stellen wiesen 22 eine höhere Verstrahlung als 37.000 Becquerel pro Quadratmeter (Cäsium 137) auf, in etwa also gleich stark verstrahlt wie die Gegend um Tschernobyl. Der Fund von 1,5 Millionen Becquerel an einer Kirche verunsicherte selbst die Bürgerrechtler, hier sollen Nachmessungen erfolgen.

Im Großen und Ganzen verschweigen japanische Medien die Resultate der Radiation Defense Bewegung, dennoch wissen die Tokioter von den Hotspots. Aber nicht nur in Tokio gibt es diese, auch im angrenzenden Yokohama wurden sie aufgefunden. Die Stadtverwaltung von Tokio will umgehend die aufgefunden Hotspots entfernen. Dennoch werfen diese Hotspots die Frage auf, wie weit die radioaktive Kontamination reicht.



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