Wissenschaft

Super-GAU Fukushima: Cäsium Austritt entspricht 168 Hiroshima-Bomben

Wie die japanische Atomaufsichtsbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) berichtet entspricht die Menge an ausgetretenem Cäsium in etwa der 168 fachen Menge der so genannten Hiroshima-Bombe vom 6. August 1945. Dennoch verweist die NISA auf die Unterschiede beider Austrittsarten, während die Atombombe von Hiroshima gezielt gezündet wurde um einen maximalen Schaden zu hinterlassen, ist die Atomruine in Fukushima unabsichtlich explodiert, wird aber auf Dauer weit länger strahlen. 

Untersucht wurde das Isotop Cäsium 137 (Halbwertszeit ca. 30 Jahre), in Hiroshima wurden schätzungsweise 89 Terabecquerel (89 Billionen Becquerel) in die Umwelt gestreut, nach ersten Einschätzungen habe das AKW Fukushima seit Beginn der Katastrophe vom März etwa 15.000 Terabequerel an die Umwelt abgegeben. Darüberhinaus wurden in Fukushima mehr Isotopenarten abgegeben, bei der Atombombe von Hiroshima zählte man 16 verschiedene Isotope, am AKW Fukushima seien es 31 Isotope gewesen. Lediglich beim Super-Gau von Tschernobyl, als praktisch ein gesamter Reaktorkern in die Umwelt geschleudert wurde, wurden sechs mal mehr Isotopenarten freigesetzt.

Der Abwurf der Atombombe in Hiroshima (Little Boy) am 6. August 1945, einer Uranbombe, kostete unmittelbar bis zu 80.000 Menschen das Leben, in den nächsten Jahren sollten weitere Zehntausende aufgrund der Radioaktivität folgen (insgesamt geschätzte 170.0000). Der Abwurf der Bombe in Nagasaki (Fat Man) am 8. August 1945 (einer Plutoniumbombe) tötete unmittelbar 30.000 Menschen, hier werden bis zu 80.000 Tote insgesamt für die nächsten Jahre berechnet. Nach Abwurf der Atombomben rechneten die US-Militärs mit hohen zivilen Opfern aufgrund der Druckwelle und der enormen Hitze, Radioaktivität zogen sie noch nicht in Betrachtung. Schon 1950 stellten Ärzte in Japan ein erhöhtes Krebsaufkommen in beiden Städten fest. In den ersten Jahren, bis einschließlich 1970, vervielfachte sich die Rate der Leukämieerkrankungen, erst später stieg die Rate für andere Krebsarten (genaue Statistiken sind immer noch Mangelware!). Während 65 Jahre nach Kriegsende die Leukämierate sich an den nationalen Durchschnitt genähert hat, treten andere Krebserkrankungen (wie Magenkrebs, Lungenkrebs, Brustkrebs etc.) immer noch in den betroffenen Städten gehäuft auf.

Die Hintergrundstrahlung in beiden Städten ist zum heutigen Tag unter dem gesetzlichen Grenzwert gesunken, die Abwürfe sind dennoch messbar, obschon die Bomben nach heutigen Maßstäben sehr klein waren. In Fukushima hingegen, wo sich das Kernmaterial dank Kernschmelze direkt in den „Boden“ hineingefressen hat (anders als in Tschernobyl), wird die Belastung für die kommenden Jahrzehnte bleiben. Selbst die japanische Regierung muss zugestehen, dass einige Gebiete um das havarierte AKW Fukushima auf Dauer unbewohnbar bleiben werden.

 



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