Wissenschaft

Super-Gau Fukushima: No-Go Zone rund ums AKW dauerhaft

Wie der Premierminister Japans Naoto Kan nun bekannt gab, werden große Teile der 20-Kilometer Evakuierungszone rund um das zerstörte AKW Fukushima Daiichi auf lange Zeit für Menschen unbewohnbar bleiben, eine No-Go zone wird dauerhaft errichtet. So sollen die Stellen mit den höchsten Kontaminationen für Menschen dauerhaft gesperrt werden. Als Entschädigung plant Premier Kan den Aufkauf der betroffenen Flächen, ehemalige Bewohner der Region sollen eine dauerhafte Wohnung außerhalb der Zone zugewiesen bekommen. Kan betonte auch ausdrücklich, dass eine Abschaltung und die Abwicklung des vom Super-Gau betroffenen Atomkraftwerkes bis zu zehn Jahre andauern könnte.

Der Premierminister will am 27. August die Präfektur Fukushima und die betroffenen Gebiete besuchen. Eine von der Regierung noch zu benennende Kommission soll ausloten, welche Gebiete dauerhaft evakuiert bleiben. Im Durchschnitt liegt die radioaktive Belastung fünf mal so hoch wie von der Weltgesundheitsorganisation WHO als Grenzwert angegeben wird. An 15 bis 50 Stellen liegt nach bisherigen Erkenntnisstand die Belastung bei 100 Millisievert pro Jahr, in Japan liegt der Grenzwert bei einem Millisievert pro Jahr für die zivile Bevölkerung. In Okuma, drei Kilometer vom AKW Fukushima I entfernt, liegt die Belastung gar bei 278 Millisievert/Jahr.

Die Stadtverwaltung in Minami-Soma, 20 Kilometer vom AKW entfernt, hat derweil den August als Dekontaminationsmonat ausgerufen. Zehntausende Stadtbewohner sind dem Aufruf gefolgt, allenthalben sieht man Menschen, die die oberste Erdschicht abtragen, zur Not auch nur mit einer Schaufel. Gebäude, vor allem Kindergärten und Schulen, werden abgewaschen. Der Sprecher der Stadt, Yoshiaki Yokota, sagte zur japanischen Presse, dass man nicht gewillt war auf Entscheidungen aus Tokio noch länger warten zu müssen. Vor dem Super-Gau lebten in Minami-Soma rund 70.000 Menschen, 30.000 Einwohner haben inzwischen die Stadt verlassen, obwohl diese wenig mit Radioaktivität kontaminiert wurde. Um den verblieben Bewohnern ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln, und um die geflohenen Bewohner wieder zurück zu locken, braucht die Stadt diese Kampagne.

Doch Experten sehen die Aktion durchaus kritisch, so auch Professor Hiroaki Koide aus der Universität Kyoto. Zwar bescheinigt er, dass ein Abtrag der obersten fünf Zentimeter der Erdschicht die Belastung um 90 % reduzieren würde, doch gibt er zu bedenken, dass auch Bäume, Tiere und das Grundwasser kontaminiert sind, zumal radioaktive Partikel von den Gebäuden abgewaschen werden. Dazu bleibt die Frage, wohin mit dem kontaminierten Erdreich? Geplante Deponien, die eben die Erdmassen lagern sollen, stoßen auf den Protest der Anwohner, die ihrerseits berechtigte Ängste gegen solche Deponien anführen. Zusätzlich warnt Koide Schwangere und Kinder vor der Aufnahme von radioaktiven Partikeln, es gebe schlicht keine ungefährliche Dosis, jede noch so kleine Kontamination schade der Gesundheit.



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