Politik

Syrien: Unruhen weiten sich aus- nun auch Kurden auf der Straße

In Syrien weiten sich die Unruhen aus, nach der Ermordung des kurdischen Oppositionellen Mashaal Tammo am Freitag fanden sich zehntausende Demonstranten in der Stadt Qamishli (im Norden Syriens) am Samstag ein und protestierten gegen die Regierung von Bashar al-Assad. Im Norden Syriens lebt mehrheitlich die größte Minderheit des Landes, die Kurden (ca. zehn Prozent der Bevölkerung). Bislang war diese Region, im Vergleich zu anderen Landesteilen in Syrien, relativ ruhig, doch die Ermordung des kurdischen Oppositionellen könnte neue Unruhen schüren. Die Kurden in Syrien werden seit Jahrzehnten systematisch unterdrückt.

Zum Begräbnis von Tammao skandierte die aufgebrachte Menge Parolen gegen die Regierung in Damaskus, laut Angabe von Menschenrechtsaktivisten hätten syrische Sicherheitskräfte das Feuer eröffnet und fünf Demonstranten erschossen. Schon vor einem Monat entkam Tammo nur knapp einem Mordversuch, erst im letzten Sommer wurde er nach einer dreijährigen Haftstrafe aus dem Gefängnis entlassen. Am Freitag hätten vier maskierte Männer das Haus von Tammo aufgesucht und hätten den Aktivisten gezielt getötet. Tammo gilt als Begründer der in Syrien verbotenen Partei Kurdish Future Movement Party, er sprach sich wiederholt für eine pluralistische Demokratie unter Teilnahme der kurdischen Bevölkerung aus, anders als andere kurdischen Parteien in Syrien, die mehrheitlich einen separatistischen Kurs verfolgen. Zudem war er Mitglied des Syrischen Übergangsrates.

Nicht zu Unrecht bezeichnet der Sohn Tammos, Fares Tammo (der im Exil in Irak lebt), die Ermordung seines Vaters als großen Fehler. Die Regierung in Damaskus, ob sie unmittelbar an der Ermordung teilgenommen hat oder nicht, eröffnet sich eine „neue Front“ im Norden des Landes, ferner leben viele Kurden auch in der Hauptstadt Damaskus. Die Kurden werden seit Jahren systematisch unterdrückt, so wurden vielen Menschen (nach Angabe von Humans Right Watch 20 % der Kurden) die Staatsbürgerschaft entzogen, damit ist ihnen nicht nur das Reiserecht entnommen, sie dürfen laut Verfassung auch kein Ackerland/Grundstück oder keine Firma besitzen, sie dürfen nicht einmal syrische Staatsangehörige heiraten.

Darüber hinaus versucht die Regierung seit 1965 kurdische Gebiete zu „arabisieren“, Ortsnamen wurden verändert und massenweise „arabische“ Bürger  angesiedelt. 2004 brachen nach einem Fußballspiel Unruhen in der Stadt Qamishli aus, bei den anschließenden Auseinandersetzungen wurden neun Menschen erschossen, hunderte landeten im Gefängnis wo sie meist Folter ausgesetzt sind. Um mögliche Unruhen zu vermeiden, hatte Assad Anfang April Gespräche mit kurdischen Führern geführt und versprochen, das Problem der entzogenen Staatsangehörigkeit zu klären, doch bislang hat sich nichts verändert. Die Ermordung von Tammo könnte der Opposition in Syrien zu einem neuen Schwung verhelfen, wenn die mehrheitlich stillen Kurden sich den Unruhen anschließen.

 



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