Wissenschaft

Tatort Universität- Das Problem des Ghostwriting

Spätestens seit der Plagiatsaffäre eines Herrn zu Guttenberg oder der Europaabgeordneten Silvana Koch-Mehrin steigt das Interesse der Öffentlichkeit an sauberer Wissenschaft. Gibt es die saubere Wissenschaft aber überhaupt?

Fälle von wissenschaftlichem Betrug

Fälle wie die des koreanischen Genforschers Hwang Woo-Suk bezeugen, dass es in der Wissenschaft Betrug gibt. Auch die Fälle von deutschen Hochschullehrern, die ungeeigneten Kandidaten für Bestechungsgelder eine Promotionsmöglichkeit boten, zeugen von der Kriminalität in der Wissenschaft. Im aktuellen Fall waren weit mehr als 100 Professoren in den Fokus der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geraten. Dies übrigens fächerübergreifend. Wen wundert es da also, wenn auch Studenten bereits das Know-how ihrer Ziehväter für eigene Karrieremöglichkeiten nutzen? Gemeint ist die Angewohnheit einiger Studenten, sich ihre Hausarbeiten durch Ghostwriter anfertigen zu lassen.

Eine der bekanntesten Ghostwriting-Agenturen: Acad Write

Dafür zahlt so mancher Student ein halbes Vermögen, dafür ist dieser den Stress und die Beschäftigung mit dem unliebsamen Thema los. Statt seiner wühlen sich nun die durch spezielle Agenturen beauftragten Ghostwriter durch die Literatur. Eine der bekanntesten Ghostwriter-Agenturen ist die in der Schweiz ansässige Firma Acad Write. Inhaber Tomas Nemet sieht seine Dienstleistung auch eher pragmatisch, denn moralisch. Ghostwriting bietet offenkundig eine einfache Art Geld, zu verdienen. Es gibt einen unbestreitbar vorhandenen Markt für das Ghostwriting. Zugleich gibt es jedoch auch die unbestrittene strafbare Handlung der Studenten, eine Arbeit als ihre auszugeben, die diese selbst nie verfasst haben. Acad Write hingegen steht gut da. Die Firma weist explizit in den AGB darauf hin, dass die Arbeit nicht als die eigene ausgegeben werden darf. Was die Kunden letztlich mit der Arbeit machen sei nicht seine Sache, so Tomas Nemet. Nemet vergleicht die Situation in etwa mit der eines Käufers eines Messers. Das Messer lässt sich zum Schneiden von Brot verwenden, aber auch dazu, jemanden umzubringen. Sollen deshalb also keine Messer mehr verkauft werden? Acad Write kann auf eine große Anzahl an erfolgreich beendeten Arbeiten zurückblicken.

Viele Arbeiten in Uni-Bibliotheken gelandet

Wie viel Arbeiten dabei letztlich im Regal einer Universitätsbibliothek gelandet sind, ist unbekannt. Es zeigt aber nur eines, den Studenten pauschal Betrug zu unterstellen ist genauso unredlich wie alle Professoren unter Generalverdacht zu stellen. Übrigens sollen auch schon Professoren ihre Arbeiten bei Acad Write in Auftrag gegeben haben. Qualität arbeitet eben manchmal im Verborgenen. Wenn diese dann dennoch einmal in eine Universitätsbibliothek Einzug erhält, mag dies vielleicht auf unredliche Art geschehen sein, den wissenschaftlichen Inhalt der Arbeit schmälert es hingegen nicht, was wieder für die Ghostwriter Agentur spricht.

Acad Write: Motor der Wissenschaft?

Insofern kann Acad Write durchaus auch als Motor der Wissenschaft bezeichnet werden. Etablierte Hochschullehrer lesen dies womöglich nicht gerne, allerdings arbeitet auch an der Uni das eigentliche Wissen oft im Verborgenen. Zahlreiche wissenschaftliche Mitarbeiter fertigen brav Arbeiten für die Professoren an. Auch dies ist eine Form des Ghostwritings. Was also ist schon Moral? Die Universität ist also einerseits oft ein Tatort zahlreicher strafbarer Handlungen, diese werden jedoch durch dieselbe Handlung oftmals im Sinne eines wissenschaftlichen Mitarbeiters legalisiert. Professoren indes geben oft fremde Arbeit als die ihre aus, das Arbeitsverhältnis und die Hierarchie der Universität macht es möglich. Wer weiterkommen will, macht, was der Lehrkörper sagt. Studenten haben keine wissenschaftlichen Mitarbeiter, dafür gibt es aber die Ghostwriter-Agenturen. Insofern passt der Satz, für das Leben lernt man, die Universitätslandschaft macht es vor.



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