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TV- Produzent Loewe beantragt Gläubigerschutz

Der TV-Hersteller Loewe beantragt beim Amtsgericht Coburg Gläubigerschutz. Hintergrund ist offenbar die finanzielle Schieflage, die das Unternehmen im Kampf mit asiatischen Konkurrenten erlitten hat. Vorstandsvorsitzender Matthias Harsch will so Zeit gewinnen, um neue Geldgeber für das Unternehmen zu gewinnen.

Wie Harsch gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters mitteilt, habe sein Unternehmen nun drei Monate Zeit, um die eingeschlagenen Sanierungsbemühungen zu Ende zu bringen. Ziel ist es, das Gericht und die Gläubiger dazu zu bewegen, dem Sanierungsplan zuzustimmen, so Harsch sinngemäß. Den Gläubigerschutz kann Loewe beantragen, weil das neue Insolvenzrecht diese Möglichkeit bietet. Dadurch ist es möglich, für einen begrenzten Zeitraum Gläubigerschutz zu beantragen, wenn eine Zahlungsunfähigkeit droht, aber aktuell noch nicht eingetreten ist.

Seit Jahren leidet Loewe unter Umsatzeinbußen

Die rund 800 Beschäftigten von Loewe in Deutschland erhalten nun durch die Bundesagentur für Arbeit ihr Gehalt für drei Monate weiter. Loewe zählte einst zu einem der drei bundesdeutschen Traditionsunternehmen in der Fernsehgeräteindustriefertigung. Das Unternehmen ist ansässig im fränkischen Kronach und leidet seit Jahren unter Umsatzeinbrüchen.

Aktuell sind in Europa lediglich Loewe, Metz, Bang & Olufsen sowie TechniSat als TV-Hersteller übrig. Insbesondere Unternehmen wie LG und Samsung nehmen den europäischen Traditionsunternehmen zunehmend Marktanteile ab, weil die Geräte aus Fernost oftmals nur ein Bruchteil der Geräte der europäischen Hersteller kosten.

Betrieb bei Loewe wird unverändert fortgeführt

Loewe galt einst als Vorreiter der Fernsehgeräteindustrie. So erfand das Unternehmen das elektronische Fernsehen. Derzeit beschränkt sich das fränkische Unternehmen auf das Luxussegment im preislichen Umfang von etwa 1000 bis 5000 Euro. Zukünftig will Loewe jedoch auch TV-Geräte ab 800 Euro herstellen und in großen Elektronikmarktketten ebenso präsent sein wie im exklusiven Fachhandel.

Das Gläubigerschutzverfahren ermöglicht es Loewe nun vor Zwangsmaßnahmen der Gläubiger für einen Zeitraum von drei Monaten geschützt zu sein. Der Betrieb des Unternehmens wird derweil unverändert fortgeführt. Durch die Beantragung des Gläubigerschutzes bleibt das Unternehmen für den Zeitraum des Schutzschirms weiter handlungsfähig.

 Management bleibt Herr des Verfahrens

Im Gegensatz zum Insolvenzverfahren bleibt das Management weiterhin Herr des Verfahrens und kann sich anders als beim Insolvenzverfahren den Verwalter selber aussuchen. Durch das Gläubigerschutzverfahren will Harsch in die Lage versetzt werden, den eingeschlagenen Weg der Unternehmenssanierung effektiv vorzuführen.

So sei der Abbau nahezu jeder fünften Stelle im Unternehmen geplant. Ziel sei es dabei, die Kosten effektiv zu senken. Zudem sollen neue Produkte entwickelt werden und es soll mehr Werbung für die Produkte betrieben werden, so das Unternehmen in einer Stellungnahme. Für diesen Zweck hat das Unternehmen bereits eine Kapitalerhöhung angekündigt. Ob die Sanierung des Unternehmens durch den Gläubigerschutz nun tatsächlich wie vom Management gewünscht umgesetzt werden kann, bleibt derweil abzuwarten.



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