Newsticker

Ukraine: Gewalt in Kiew flammt erneut auf

Nachdem die am gestrigen Tage vereinbarte Waffenruhe zwischen der ukrainischen Regierung und der Opposition nur für eine kurzzeitige Entspannung der Lage beigetragen hat, ist die Gewalt in der Ukrainerin Hauptstadt Kiew erneut eskaliert.

Polizei schoss mit scharfer Munition

Gegner der Regierung und die Polizei haben sich erneut Straßenschlachten geliefert. Nach Angaben von Augenzeugen wurden dabei mindestens 15 Menschen getötet. Nach Augenzeugenberichten sind mehrere hunderte bewaffnete Demonstranten auf dem Maidan-Platz in Kiew gegen die von der Polizei aufgestellten Barrikaden vorgegangen. Dabei warfen sie Brandsätze und Feuerwerkskörper sowie Steine. Die Polizei wehrte sich mit Tränengas gegen die Demonstranten. Im weiteren Verlauf schoss die Polizei aber offenbar auch mit scharfer Munition. Wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters berichtet, seien dabei mindestens 15 Menschen gestorben.

Der Unabhängigkeitsplatz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist weiterhin von Sondereinheiten der Polizei und staatlichen Sicherheitskräften umzingelt. Trotzdem gelang es den Demonstranten, die Kontrolle über den Platz weitestgehend wiederzugewinnen. Dabei zeigten insbesondere Fernsehbilder, wie Gegner der Regierung von Präsident Janukowitsch in Bereiche des Platzes vorrücken, die am Tage zuvor noch von der Polizei gehalten wurden. Offenbar wurden auch mehrere Sicherheitskräfte von Demonstranten festgehalten und verschleppt.

Ukrainische Parlament sagte Sitzungen ab

Auf dem Maidan selbst befinden sich immer noch mehrere Tausend Menschen. Aufgrund der sich zuspitzenden Lage hat das ukrainische Parlament die für Donnerstag und Freitag anberaumten Sitzungen abgesagt. Das Parlamentsgebäude wurde dabei ebenso wie der Regierungssitz evakuiert. Im Vorfeld gelang es mehreren Demonstranten, in das Regierungsviertel vorzudringen. Am Mittwochabend hatte sich Präsident Janukowitsch mit Vertretern der Opposition getroffen um eine Lösung für die sich zuspitzende Gewalt zu finden. Dabei wurde ein umgehender Gewaltverzicht vereinbart und weitere Verhandlungen über einen Ausweg aus der Krise vereinbart.

EU-Außenminister beraten über Sanktionen gegen ukrainische Regierungsvertreter

Mehrere europäische Außenminister, darunter auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sowie der französische und polnische Außenminister reisten am heutigen Tag in die Ukraine, um mit Vertretern der Opposition und der Regierung über einen Ausweg aus der Lage zu sprechen. Dabei kam es auch zu einem Zusammentreffen zwischen den EU-Außenministern und dem ukrainischen Staatschef. Bei den vertraulichen Gesprächen waren weder Journalisten noch Kameras zugelassen. Während der Konsultationen waren in der Nähe des Präsidentenpalastes Schüsse zu hören und schwarze Rauchschwaden am Horizont zu beobachten.

Noch heute wollen Steinmeier und der französische und polnische Außenminister beim EU-Außenministertreffen in Brüssel Bericht über die Gespräche erstatten. Unter anderem soll es dabei auch um mögliche Sanktionen gegen die ukrainische Regierung und ihre Vertreter gehen. Nicht nur in Kiew selbst, sondern insbesondere im Westen des Landes haben mittlerweile die Demonstranten quasi die Herrschaft übernommen. Insbesondere das frühere Lemberg (heutige Lwiw) gilt als Hochburg radikaler Vertreter der Opposition.



Erstellen Sie den ersten Kommentar!

Kommentieren

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.