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Umfrage bei Journalisten: Zukunft der Wirtschaftsmedien kritisch betrachtet

Eine Umfrage unter Journalisten ergab, dass diese die Zukunft von Wirtschafts- und Finanzmedien in der Bundesrepublik Deutschland kritisch betrachten. 83 Prozent gehen davon aus, dass auch zukünftig weitere Entlassungen in Redaktionen und eventuelle Verlagsinsolvenzen möglich seien.

Die Umfrage wurde durch die Agentur WBCO durchgeführt. 43 Prozent der befragten Journalisten gehen davon aus, dass Nachrichtenagenturen zukünftig eine noch bedeutendere Rolle spielen werden.

Handelsblatt als Leitmedium in der Finanzberichterstattung

48 Prozent beantworteten diese Frage mit eher skeptischer Sichtweise. Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass Journalisten davon ausgehen, dass zukünftig Blogs und Social Media-Plattformen trotz kostenloser Inhalte professionelle journalistische Inhalte der Medienbranche nicht ausgleichen können. 71 Prozent der Befragten schließt sich dieser Sichtweise an. Im Rahmen der Finanzbranche wird das “Handelsblatt“ von 29,6 Prozent der Befragten als das Hauptfinanzmedium in der deutschen Medienlandschaft wahrgenommen.

Erst dann folgen “Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (21,7 Prozent) und die Nachrichtenagentur „Reuters“ mit 6,4 Prozent. Für den Bereich der Finanzberichterstattung ist bemerkenswert, dass die “ dpa“, “ Spiegel-Online“, die “ Süddeutsche Zeitung“ und das “ Manager-Magazin“ lediglich sehr geringe Prozentwerte aufweisen, was die Bedeutung als Hauptmedium in der Finanzberichterstattung betrifft.

Verlage suchen dringend Online-Geschäftsmodell

Bezüglich der Betrachtung neuer Geschäftsmodelle und Erlöse-Strategien, insbesondere für das Online-Geschäft, konnte bei den Teilnehmern der Umfrage keine eindeutige Antwort gegeben werden. 48,9 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich zukünftig bei Online-Medien das Modell des „Paid Content“ durchsetzen wird (Zahlen für Inhalte im Netz). 27,8 Prozent der befragten Journalisten gehen jedoch davon aus, dass sich dieses Konzept auf Dauer nicht durchsetzen wird. 22,2 Prozent sind sich diesbezüglich unsicher.

Insbesondere die Einstellung der “Financial Times Deutschland“ sowie die Insolvenz der “Frankfurter Rundschau“ offenbaren, dass die Printmedien insgesamt hinsichtlich der herkömmlichen Finanzierungsmodelle ins Hintertreffen geraten. Die Folge dessen ist eine zunehmende Angst bei angestellten Journalisten, die um ihre Arbeitsplätze bei den Verlagen bangen müssen.

Leser wollen Informationen kostenlos im Internet erhalten

Nicht nur für den Bereich der Finanzberichterstattung, sondern allgemein gilt, dass die Leser zunehmend das Internet für das Suchen von Informationen benutzen. Jedoch sind immer weniger Leser bereit, dafür zu bezahlen. In diesem Zusammenhang ist es umso bemerkenswerter, dass der Springer-Verlag mit der Online Ausgabe der “Welt“ sowie der “Bild“ zukünftig Inhalte für Leser lediglich dann zugänglich machen wird, wenn diese dafür bezahlen.

Nimmt die Bedeutung von Blogs und Nachrichtenportalen zukünftig zu?

Es bleibt abzuwarten,ob die Leser nicht auf andere Quellen wie Blogs und Nachrichtenportale ausweichen werden. Dies gilt umso mehr, wenn diese die Inhalte weiterhin kostenlos anbieten. Dass sich Online-Zeitungen nicht unbedingt rechnen, offenbart Apple mit seiner Online-Zeitung „The Daily“. Diese wurde jüngst eingestellt.

Die Verlage setzen derweil alles auf eine Änderung des Leistungsschutzrechtes. Dagegen stellt sich jedoch Google. Insofern prallen auch hier zwei Interessensgruppen aufeinander. Wer am Ende obsiegen wird, bleibt abzuwarten. In diesem Zusammenhang gilt es jedoch zu erwähnen, dass Blogs und Nachrichtenportale hinsichtlich der journalistischen Qualität nicht unbedingt hinter den Leitmedien zurückbleiben müssen. Insofern gilt nicht unbedingt zwangsläufig der Satz „was nichts kostet ist auch nichts“.



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