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Uni-Streit Schleswig-Holstein: Lobbyismus einer Ministerin

Im Streit zwischen der Universität Kiel und der Universität Flensburg geht es um die zukünftige Lehrerausbildung in Schleswig Holstein. Der Präsident der Universität Kiel, Gerhard Fouquet, erhebt gegen die parteilose Wissenschaftsministerin von Schleswig Holstein, Waltraud Wende, schwere Vorwürfe.

Fächerangebot in Flensburg wird zulasten der Universität Kiel erweitert

Die Ministerin will die Lehrerausbildung an der Universität Flensburg zulasten der Universität Kiel ausbauen. Während sich die Wissenschaftsministerin von der Kritik überrascht zeigte, reagierte der Präsident der Christian-Albrechts-Universität Kiel mehr als verärgert. Die Landesregierung plant, an der Universität Flensburg die Fächer für die Lehrerausbildung deutlich zu erweitern, während an der Universität Kiel aktuell nur noch die Lehrerausbildung für das Gymnasium etabliert ist. Die Ausbildungen für Realschulen und andere Schulformen wurden der Universität Kiel bereits vor einigen Jahren weggenommen.

Kieler Uni-Präsident wirft Flensburg Vertrauensbruch vor

Die Universität Flensburg indes erhält zukünftig Gelder in Millionenhöhe, insbesondere für den Ausbau der Naturwissenschaften. Fouqet warf der Universität Flensburg derweil einen Vertrauensbruch vor, da es bislang eine Übereinkunft zwischen beiden Universitäten gab, sich gegenseitig zu informieren. Als Konsequenz aus dem gefühlten Vertrauensbruch kündigte die Universität Kiel bis auf weiteres die Aussetzung eines Praxissemesters sowie eines gemeinsam gestellten Antrages mit der Universität Flensburg zur “ Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ auf, beziehungsweise legte diese auf Eis. Wende will zukünftig 13 Fächer für die Sekundarstufe II an der Universität Flensburg anbieten. Diese Ausbildung ist aktuell an der CAU Kiel etabliert. Bislang galt nach Angaben der Universität Kiel lediglich ein Ausbau auf lediglich sieben Fächer als vereinbart.

CAU Kiel: Status als Volluniversität gefährdet?

Die Universität Kiel fühlt sich hinsichtlich des Status einer Volluniversität derweil in der Existenz bedroht, so Fouquet. Das Studium zum Lehramt wird in Schleswig-Holstein ab dem kommenden Wintersemester neu geordnet. So sollen Studierende zu reinen Lehrern für die Grundschule oder zu Lehrern für die Sekundarstufe ausgebildet werden. In der kommenden Woche wird der diesbezügliche Gesetzentwurf in erster Lesung im schleswig-holsteinischen Landtag beraten, dass dementsprechend ausgearbeitete Gesetz soll dann ab August in Kraft treten.

Ministerin war früher Präsidentin der Universität Flensburg

In diesem Zusammenhang gilt zu erwähnen, dass die Schleswig-Holsteinische Wissenschaftsministerin Waltraud Wende vor ihrer Funktion als Ministerin Präsidentin der Universität Flensburg war. Insofern dürfte die zukünftige Bevorzugung der Universität Flensburg durch die Ministerin nahezu selbsterklärend sein. Objektiv betrachtet, handelt es sich hierbei um Bildungslobbyismus, der allerdings nicht durch Dritte ausgeübt wird, sondern durch die Ministerin selbst. Während die Universität Kiel als einzige Volluniversität Schleswig Holsteins hinsichtlich der Lehrerausbildung immer weiter ausgedünnt wird, soll die Universität Flensburg offenbar zu einer Art pädagogischer Universität 2.0 aufgewertet werden.

Das allerdings gerade für den Bereich der Naturwissenschaften der Status einer Volluniversität fundamental wichtig ist, scheint die Ministerin nicht zu interessieren. Gerade aufgrund der früheren Tätigkeit als Präsidentin der Universität Flensburg ist das Vorgehen von Wende mehr als durchschaubar. Dies allerdings macht das Vorhaben zur künftigen Lehrerausbildung in Schleswig Holstein mehr als zu einem “Geschmäckle“.



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