IT & Internet

Unister: Gegen Datenschutzrichtlinien verstoßen?

Gegen das Leipziger Unternehmen Unister werden neue Anschuldigungen erhoben. Wie der MDR recherchiert hat, handelt es sich dabei um Verstöße gegen Datenschutzrichtlinien. Demnach soll der Mitgeschäftsführer des Unternehmens, Daniel Kirchhoff, gleichzeitig auch als Datenschutzbeauftragter von Unister aufgetreten sein.

Sollte dies bestätigt werden, so liegt ein Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz vor. Zwischenzeitlich liegt der Fall beim Leipziger Verwaltungsgericht. Der sächsische Datenschutzbeauftragte hat derweil gegen das Unternehmen Klage eingereicht. Insgesamt sind laut dem MDR-Bericht acht Klagen bei Gericht anhängig.

Interessenkonflikt des Mitgesellschafters?

Nach Sichtweise des sächsischen Datenschutzbeauftragten, ist die Doppelfunktion von Kirchhoff gesetzlich nicht erlaubt, da ein Interessenkonflikt zwischen der Funktion als Mitgesellschafter und der Funktion als Datenschutzbeauftragter bestehen würde. Dies resultiert aus den eigenen wirtschaftlichen Interessen als Mitgesellschafter.

Kirchhoff sitzt wie der Firmengründer Thomas Wagner derzeit in Untersuchungshaft. Bereits zu Beginn des Monats hatte Unister ein Klageverfahren gegen den sächsischen Datenschutzbeauftragten verloren. Damals belegte das Verwaltungsgericht Leipzig das Unternehmen mit der Auflage, seine Datenverarbeitungsprozesse offen zu legen. Wie der MDR recherchiert hat, ist Unister der gerichtlich auferlegten Verpflichtung bisher nicht nachgekommen.

Unister: Seit einem Bericht der „Computer Bild“ in den Negativschlagzeilen

Das in Leipzig ansässige Unternehmen Unister ist seit einem Bericht des Computermagazins „Computer Bild“ in den Negativschlagzeilen. Am Dienstag wurden Thomas Wagner, der Firmengründer und Daniel Kirchhoff, der Mitgesellschafter, verhaftet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen illegalen Geschäften und Steuerhinterziehung. Beide Beschuldigte schweigen zu den Vorwürfen.

Das Unternehmen Unister betreibt unter anderem die Internetportale fluege.de, ab-in-den-urlaub.de und über eine Tochterfirma ist das Unternehmen auch indirekt Betreiber des Portals geld.de. Die Vorwürfe werden seitens des Unternehmens durch eine Stellungnahme vom 11. Dezember sowie eine ergänzende Stellungnahme pariert.

Unister nimmt Stellung zu den Vorwürfen

So weist Unister in seiner Stellungnahme darauf hin, dass es fraglich sei, ob die im Reisebereich vermittelten zusätzlichen Produkte „Umbuchungsservice“ und „Stornoschutz“ als Versicherungsprodukte zu bezeichnen sind oder eben nicht. Es ist demnach zu klären, so das Unternehmen in seiner Stellungnahme weiter, ob anstelle der bereits bezahlten Umsatzsteuer eine Versicherungssteuer fällig gewesen wäre. Das Unternehmen sieht indes nur eine sehr kleine Produktpalette betroffen.

Haftentlassung der Beschuldigten unter Auflagen?

Zwischenzeitlich haben sich die Anwälte der Beschuldigten bei der zuständigen Generalstaatsanwaltschaft in Dresden gemeldet und dort Akteneinsicht beantragt. Beide Beschuldigten sitzen derweil in Einzelzellen in Untersuchungshaft und harren der Dinge, die da kommen. Unklar ist derzeit, ob beide Beschuldigte auch über die Weihnachtsfeiertage weiterhin in Haft bleiben müssen.

Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, wies darauf hin, dass die Rechtsanwälte der Beschuldigten Haftbeschwerde einlegen können. Sollte das Gericht zur Ansicht gelangen, dass weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr besteht, so könnte eine vorzeitige Haftentlassung unter Auflagen die Folge sein. Derweil werten die Beamten des Landeskriminalamtes die beschlagnahmen Dateien und Akten aus. Das Unternehmen Unister beschäftigt rund 1600 Mitarbeiter und hat seinen Hauptsitz in Leipzig.



Erstellen Sie den ersten Kommentar!

Kommentieren

Sie müssen eingeloggt sein um zu kommentieren.