Politik

USA: Präsidentschaftswahlen 2012 – Wie wählen eigentlich US-Bürger?

Die 57. US-Präsidentschaftswahlen sind im Gange. Umfragen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Beide Kandidaten haben deshalb bereits in den Schlüsselstaaten, den sogenannten „Swing-States“ ihre Anwälte postiert, um im Falle eines knappen Wahlausganges mögliche Rechtsverstöße direkt juristisch bekämpfen zu können.

Anders als beispielsweise in Frankreich, wird der US-Präsident jedoch nicht direkt vom Volk gewählt, sondern ähnlich wie in Deutschland, indirekt. Während in der Bundesrepublik Deutschland der Bundeskanzler beziehungsweise die Bundeskanzlerin durch die Abgeordneten des Deutschen Bundestages bestimmt wird und die Bundesbürger formal nur über die Stärke der Parteien im Bundestag abstimmen, wird der US-Präsident über sogenannte Wahlmänner bestimmt.

Wahlmänner bestimmen Präsidenten

Diese werden am 6. November durch das Volk bestimmt. Grundsätzlich sind die Wahlmänner, obwohl von der jeweiligen Partei bestimmt, in ihrer Entscheidung frei, das bedeutet, ein Wahlmann der Republikaner kann theoretisch auch für Obama stimmen, umgekehrt kann ein demokratischer Wahlmann auch für Romney stimmen. In der Praxis kommt dies jedoch kaum vor. Die Wahlmänner indes geben am 17. Dezember auf dem sogenannten Electoral College ihre Stimme für den zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika ab. Gleichsam wird auch der Vizepräsident durch das Wahlmännergremium bestimmt.

Kongress- und Senatswahlen und ein Referendum in Puerto-Rico

Zeitgleich mit der Wahl zum US-Präsidenten finden zudem zahlreiche Gouverneurswahlen sowie Kongressabgeordneten- und Senatorenwahlen statt. Bei der diesjährigen Wahl stimmen zudem die Bürger von Puerto-Rico über den zukünftigen Status ab. Im Jahr 2008 erhielt Obama 365 Wahlmännerstimmen, während sein Herausforderer, John Mc Cain, damals nur 173 Wahlmänner auf sich vereinigen konnte. Zum Sieg benötigt der zukünftige US-Präsident 270 Wahlmännerstimmen.

Swing-States entscheiden wohl die Wahl

Besonderes Augenmerk ist auf die sogenannten „Swing-States“ zu richten. Dabei handelt es sich um Staaten, die mal zu der einen oder anderen Partei tendieren. Zu den bedeutendsten „Swing-States“ gehören Florida und Ohio. Insbesondere Ohio gebührt eine besondere Rolle. Bis auf eine Ausnahme konnte noch kein Kandidat US-Präsident werden, der Ohio nicht gewonnen hat.

Während Präsident Barack Obama als amtierender Präsident ins Rennen geht, wurde sein Herausforderer in einem zermürbenden innerparteilichen Vorwahlkampf bestimmt. Hierbei werden wiederum Wahlmänner bestimmt, die dann letztlich den jeweiligen Präsidentschaftskandidaten bestimmen. Der Konkurrent von US-Präsident Obama ist diesmal Mitt Romney, ein konservativer Multimillionär. Kandidat für das Vizepräsidentenamt der Republikaner ist Paul Ryan. Für die Demokraten geht der amtierende US-Vizepräsident Joe Biden ins Rennen.

Umfragen sehen ein Kopf-an-Kopf-Rennen

Letzte Umfragen sahen einen sehr knappen Wahlausgang voraus. Wenige Tage vor der Wahl hatten letzte Vorwahlumfragen Präsident Obama leicht vorn gesehen. Andere Umfragen indes sehen landesweit beide Kandidaten gleichauf. Anders als in Deutschland, gilt in den USA das Motto „The winner takes it all“. Das bedeutet, der Gewinner in einem Staat erhält in der Regel alle Wahlmännerstimmen, die unterlegenen Kandidaten gehen leer aus. Nebraska geht hier einen anderen Weg. Bei der letzten Wahl wurden hier die Stimmen der Wahlmänner gesplittet. Auch wenn Mc Cain damals den Staat insgesamt für sich gewinnen konnte, erhielt Obama dennoch aus Nebraska einen Wahlmann zugeteilt. Abgestimmt wird mit unterschiedlichen Systemen.

Droht eine Situation wie im Jahr 2000?

Während einige Staaten Wahlmaschinen nutzen, benutzen andere Staaten Wahlurnen mit Wahlzettel, andere Staaten wiederum nutzen ein Lochkartensystem. Dieses System führte bei der Wahl im Jahr 2000 dazu, dass der US-Präsident erst nach über einem Monat bestimmt war, weil eine juristische Auseinandersetzung um die Stimmen aus Florida letztlich erst den Wahlsieger bestimmt hatte. Damals gewann George W. Bush gegen den ehemaligen Vizepräsidenten von Bill Clinton, Al Gore. Letztlich konnte Al Gore über 500000 Stimmen mehr auf sich vereinigen, unterlag jedoch wegen der Regelung „The winner takes ist all“ am Ende doch. Ähnlich knapp könnte es diesmal auch werden, befürchten Experten.



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