Politik

Verfassungsschutz: V-Mann mit Waffenhandel gedeckt

Dem MDR Thüringen liegen vertrauliche Unterlagen aus Polizei und Verfassungsschutzakten vor, nach denen ein V-Mann Kriegswaffen besaß. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Türsteher einer Diskothek namens Enrico R.

Er wurde möglicherweise vom Thüringer Verfassungsschutz gedeckt. Was genau geht aus den vertraulichen Akten der Polizei und des Verfassungsschutzes hervor?

Ein Diskothekenbesitzer wollte eigentlich ein Fernsehkabel für den Anschluss in seinem Büro verlegen. Dazu öffnete er den Boden zur Zwischendecke und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Er entdeckte im Halbdunkel einen Stoffsack, der zunächst unverdächtig nach einer Tüte Müll aussah.

Maschinenpistolen in Mülltüten

Tüten dieser Art hatte er in den vergangenen Wochen schließlich schon mehr aus der Diskothek rausgetragen. Er hatte die Räumlichkeiten erst vor kurzem übernommen und war mit der gründlichen Reinigung beschäftigt. Doch bei Licht betrachtet entpuppte sich dieser als brisant. Der Inhalt bestand aus zwei Maschinenpistolen, sechs Stangenmagazine und massenhaft Munition.

Kalaschnikow AK 47 Kaliber 7,6

Das Thüringer Landeskriminalamtes stellte in seinem Gutachten fest, dass es sich dabei um einen ungarischen Nachbau der Kalaschnikow AK 47 Kaliber 7,6 und eine portugiesische MPi FBP M48 Kaliber 9 handelte. Die Waffen waren zwar eigentlich unbrauchbar gemacht worden, letztlich fielen sie in ihrem aktuellen Zustand noch immer unter das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Die portugiesische MPi war dem Gutachten zufolge voll schussfähig. Das Arsenal im Zwischenboden enthielt auch 61 scharfe Patronen, mit denen sechs Stangenmagazine gefüllt werden konnten.

Aussage im Verhör zum Drogenverfahren

Dabei erhebt sich natürlich die Frage, wie dieses Waffenmaterial überhaupt in die Zwischendecke gekommen ist. Ein erster Verdacht ergab sich rasch. Die Fahnder der Kriminalpolizeiinspektion in Saalfeld holten die alte Aussage einer jungen Frau aus den Akten.

Diese hatte nämlich im Jahr 2003 bei ihrer Vernehmung in einem Drogenverfahren von einer entsprechenden Maschinenpistole in einer Sonneberger Wohnung erzählt. Sie wusst auch davon, dass sich Enrico R. und Tino S. (ihre Freunde) mit der Waffe ablichten ließen. Damals allerdings verliefen sämtlicher Ermittlungsbemühungen im Sande. Auch eine Razzia blieb erfolglos.

Türsteher Enrico R.

Doch nach den Ereignissen im Doppelboden der Diskothek im Sommer 2005 nahmen die Beamten genau diese alte Spur wieder auf. Die neuerliche Überprüfung ergab, dass Enrico R. in der Disko über Jahre hinweg als als Türsteher gearbeitet hatte. Auch nach seinem Ausscheiden aus diesem Job hatte er noch gute Kontakte zu der Disko. Hatte er die Waffen 2003 dort bereits versteckt?

Thüringer verfassungsschutz bei Saalfelder Fahnder

Inmitten dieser Ermittlungsarbeiten bekommen die Saalfelder Fahnder überraschenden Besuch von einem Beamten des Thüringer Verfassungsschutzes. Der übergibt den staunenden Polizisten nicht nur zwei bedeutsame Fotos, sondern berichtet auch noch davon, dass Enrico R. ein V-Mann war. Die Bilder lassen keinen Zweifel mehr an diesen Fakten. Es sind genau die Bilder, die die junge Frau bei ihrer Vernehmung beschrieben hatte.

Doch erst jetzt, im Jahr 2005 informierte der Verfassungsschutz auch die Polizei darüber. Der Geheimdienst hielt es damals einfach nicht für nötig, die Saalfelder Polizei über diese wichtigen Hinweise über die Waffen zu informieren. Die Sorge, dass der V-Mann R. durch die laufenden Ermittlungen auffliegen könnte war offensichtlich entsprechend groß.

Was wusste der  Verfassungsschutz?

Daneben bestand auch noch der dringende Verdacht, dass dieser eigene Spitzel in das verbotene Waffengeschäft verwickelt sein konnte. Aber erst jetzt, als sich die Existenz der beiden Kriegswaffen durch den Fund in besagter Diskothek gar nicht mehr leugnen ließ, rückte der Verfassungsschutz die Fotos schlißlich nur zögerlich zusammen mit den Informationen heraus.

Aber das war noch nicht alles. Aus einem vertraulichen Vermerk geht nämlich hervor, dass R. mit zwei weiteren Männern schon 2002 Waffen für 400 Euro pro Stück gekauft haben soll. War das der untrügliche Beweis dafür, dass der Verfassungsschutz von den Waffengeschäften seines V-Manns wusste?

Quelle: http://www.mdr.de/thueringen/v_mann_waffengeschaeft100.html



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