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VG Wort-Streit: Die Gier der Urheber

Die VG Wort sorgt derzeit für vielerlei Diskussionen. In dem Märchen der Fischer und seine Frau will die Frau des Fischers immer mehr und sitzt am Ende wieder in ihrer alten Hütte und hat genau soviel wie zuvor. Ähnlich gestaltet sich derzeit ein Rechtsstreit, der vor dem Landgericht München geführt wurde. Kläger war ein Urheber, der zugleich Patentrichter ist. Er sah die über Jahre praktizierte Ausschüttungspraxis, der VG Wort, die eine hälftige Ausschüttung an Urheber und Verlagen vorsah, für nicht gerechtfertigt an. Das Landgericht München gab dem Kläger recht. Ob einer Klage auch dann statt gegeben worden wäre, wenn der Kläger kein Berufskollege gewesen wäre, sei dahingestellt.

VG Wort: Auszahlung vorerst gestoppt

Die VG Wort sieht die bisherige Rechtspraxis als rechtmäßig an und will bis zur Klärung keine Tantiemen ausschütten. Derzeit prüft das Marken- und Patentamt als Aufsichtsbehörde etwaige Bedenken der VG Wort gegen eine Ausschüttung. Die VG Wort hat zwischenzeitlich gegen das Urteil des Landgerichts München (Aktenzeichen 7 O 28640/11) Rechtsmittel eingelegt.

Massenweise Protest von Urhebern gegen die VG Wort

Nun erhalten die Autoren und die Verlage bis zur Klärung vorläufig nichts. Derweil mehren sich in diversen Internetforen die Beschwerden von Urhebern. Auf Yahoo hat sich sogar schon eine Gruppe gebildet, die eine Sammelklage gegen die VG Wort durchführen soll. Ziel ist es, den Verlagen, die bisher ebenso an den Ausschüttungen beteiligt wurden, eben ab sofort kein Geld mehr auszuschütten.

Vertriebstätigkeit der Verlage stellt die Grundlage für Bibliothekstantiemen dar

Die Tatsache, dass die Autoren ohne die Vertriebstätigkeiten der Verlage ihre Bibliothekstantiemen nicht bekommen würden, scheinen die Schöngeister, die sich in diversen Internetforen so gar nicht mehr schöngeistig geben, nicht zu bedenken. Zudem werden durch die Tantiemenbeteiligungen der Verlage auch dort Arbeitsplätze geschaffen.

Insofern ist die bisherige Verteilungspraxis ein Stück angewandte Sozialpolitik, die letztlich die Symbiose von Autor und Verlag unterstreicht. Auch diesen Punkt scheinen die Urheber, die nun scheinbar mit Dollarzeichen in den Augen glänzend kurz nach Bekanntgabe des Urteils des Landgerichts München aufwachten, nicht zu bedenken.

Nun bekommen zunächst weder Autoren noch Verlage Geld. Sollten die Verlage zukünftig von einer Tantiemenbeteiligung ausgeschlossen werden, dürften nicht nur dort Arbeitsplätze vernichtet werden, auch die Aufnahme neuer Autoren dürfte angesichts schmalerer Budgets schwieriger werden.

Schreibendes Künstler-Prekariat selbst verschuldet?

Es scheint sich wieder einmal zu bestätigen, dass so mancher Autor zwar klug schreiben mag, für sich selbst aber das Attribut klugen Handelns nicht unbedingt gepachtet hat. Ohne das Wissen wirtschaftlicher Zusammenhänge bleibt das Gros der bisherigen Autoren auch weiterhin nur Teil eines Künstler-Prekariats.

Droht der VG Wort bei vorschneller Auszahlung eine Klagewelle seitens der Verlage?

Nun wird der VG Wort vorgeworfen, unberechtigterweise Gelder vorzuenthalten. Wie soll eine Verwertungsgesellschaft sich bei einer derart offenen Rechtslage sonst verhalten? Sollte das Urteil des Landgerichts nämlich keinen Bestand haben, könnten die Verlage bei einer unberechtigten Auszahlung an die Urheber entweder von diesen direkt ihre Anteil einfordern oder aber die VG Wort mit Schadensersatzansprüchen überziehen und damit weitere Auszahlungen auf ein Minimum reduzieren.

Mehrzahl der Urheber von Gier geprägt?

Insofern entpuppt sich das Verhalten der nun in Massen auftretenden Urheber offenbar als das, was sie selbst in so manchen Kommentaren den Reichen und Schönen dieser Welt vorwerfen, es ist die pure Gier, die die schreibenden Schöngeister antreibt. Ob der eigene Ast abgesägt wird, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Es lebe das Urheberrecht. Anmerkung: Der Autor dieser Zeilen ist selbst im Bereich Wissenschaft von dem Auszahlungsstopp der VG Wort betroffen.



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