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Werder hofft auf den polnischen Mini-Micoud

Die Bremer träumen von besseren Zeiten. Der Hoffnungsträger hört auf den Spitznamen „Ludo“. Einst wurde so Publikumsliebling und Linksverteidiger Ludovic Magnin gerufen.

Zu Magnins Zeiten spielten die Bremer noch eine ganz andere Rolle in der Bundesliga. Werder begeisterte durch attraktiven Offensivfußball. Regelmäßig nahm man an der Champions League teil. Zeitweise waren die Hanseaten sogar beliebter als der Erzrivale aus dem Süden, als die Bayern. Vergangenheit.

Werders neuer Hoffnungsträger

Doch seit Wochenbeginn trainiert an der Weser ein neuer „Ludo“ mit. Und zwar Ludovic Obraniak, 29 Jahre alt und immerhin 32-maliger polnischer Nationalspieler, verpflichtet für 2 Millionen Euro von Girondins Bordeaux.

Bordeaux, französischer Traditionsverein, steckt inzwischen massiv in finanziellen Schwierigkeiten. In der Europa League scheiterten die Franzosen sang- und klanglos an der Frankfurter Eintracht.

Bevor Obraniak bei den Bremern unterschrieb, erkundigte er sich bei Johan Micoud. Heute Hobby-Winzer in der Nähe von Bordaeux, früher genialer Regisseur an der Weser.

Die Verantwortlichen um Trainer Robin Dutt setzen große Hoffnungen auf den in Metz geborenen Obraniak, der sowohl die französische als auch die polnische Staatsbürgerschaft besitzt.

Abwehrchef Sebastian Prödl: „Ich erwarte mir viel von ihm. Er ist keiner, wo man hoffen sollte, sondern glauben kann.“ Manager Eichin ist besonders von Obraniaks spielerischen Fähigkeiten begeistert.

Viele Baustellen an der Weser

Allerdings gibt es an der Weser momentan so viele Baustellen, dass ein Spieler allein unmöglich alle diese auf einmal beseitigen kann.

Die Bremer sind nur noch Mittelmaß, Tabellenplatz 12 steht zu Buche. Und der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nur noch mickrige drei Punkte.

Erst am vergangenen Wochenende musste die Dutt-Elf mal wieder eine böse Niederlage einstecken. Beim FC Augsburg unterlag man 1:3. Obraniak weilte zu diesem Zeitpunkt noch bei seiner Frau und den Kindern in Frankreich.

Da die Werderaner auch zum Rückrunden-Auftakt keinen Sieg einfuhren, sondern lediglich 0:0 gegen Eintracht Braunschweig spielten, steht man nun gegen Dortmund bereits mächtig unter Druck.

Mangelnder Kampfgeist

Neben den spielerischen Defiziten wurden zuletzt auch erstmals Mängel beim Kampfgeist der Truppe festgestellt. Das bemerkte auch Dutt und nahm die Spieler auch anders als gewohnt nicht mehr aus der Verantwortung.

Damit ist die Schonzeit bei den Nordlichtern endgültig vorbei.

Dutts klare Ansage: „Ich sage ganz deutlich: Das geht nicht. Es gibt Dinge im Leben, die kann man auch nicht ein einziges Mal dulden. Im letzten Spiel hat mir das erste Mal eine gewisse Grundtugend gefehlt.“

Einmal in Rage ergänzte der Trainer: „Es glaubt doch niemand, dass Thomas Eichin und ich die Tabelle anders interpretieren. Aber darüber müssen wir uns nicht wieder auslassen.“

Schonfrist vorbei

Alle freien Tage wurden gestrichen. Ab sofort heißt es „kämpfen, kratzen, beißen“ an der Weser – anders als zuletzt gegen Augsburg.

Auch die Spieler sind sich bewusst, dass so etwas wie gegen Augsburg nicht noch einmal vorkommen darf, wie Zlatko Junuzovic bekräftigte.

Im letzten Jahr unterlagen die Bremer den Dortmundern zum Rückrundenstart mit 0:5. Der Anfang vom Ende der Ära Schaaf. Der Abstieg konnte damals gerade noch verhindert werden.

Dortmund wird für den SV Werder zum Charaktertest. Die viel beschworene Wettkampfmentalität steht auf dem Prüfstand. Und auch für Dutt, der im Wintertrainingslager im spanischen Jerez den Teamgeist der Truppe immer wieder lobte, wird die Luft immer dünner. Präsentiert sich die Mannschaft weiterhin so blutleer, ist sie heißer Anwärter auf den Abstieg.



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