Wissenschaft

Wissenschaftler warnen: Weltraummüll gefährdet zukünftige Missionen

In einem 103 seitigen Bericht warnt der National Research Council, der unabhängige Nationale Forschungsrat der USA, vor der Vermüllung des orbitnahen Weltraumes, diese Vermüllung gefährde zukünftige Weltraummissionen. Der dramatische Appell versucht die Verantwortlichen der US-Weltraumbehörde NASA wachzurütteln, die Vermüllung habe einen Wendepunkt erreicht, demnach müsse die Menge des Weltraumschrottes verringert werden, ansonsten werden Satelliten und Weltraumfähren mit menschlicher Besatzung öfter mit dem Schrott kollidieren.

Im Weltraum fliegen die Schrotteile mit einer unglaubliche Geschwindigkeit von bis zu 28.000 km/h, selbst kleinste Teile tragen viel kinetische Energie in sich und können massive Schäden verursachen. Dementsprechend fordern die Forscher eine Säuberung des Weltraums, in der Überlegung befinden sich riesige Magneten oder schirmähnliche Vorrichtungen, die den Müll aufsammeln sollen. Eine weitere Überlegung ist den Weltraummüll in die Tiefen des Alls zu stoßen, typisch Mensch, aus den Augen, aus dem Sinn. Der Schrott besteht aus ausgedienten Satelliten, aufgebrauchten Modulen oder aus deren Schrottteilen. Nach Computersimulation habe die Menge einen kritischen Wert erreicht, demnach würde es ohne Gegenmaßnahmen zukünftig schwieriger Kollisionen zu vermeiden.

2007 hatte China eine Anti-Satellitenrakete ausgetestet, ein ausgedienter Satellit wurde erfolgreich beschossen, dieser zerfiel in über 150.000 Teile, meist von einer Größe unter einem Zentimeter. 2009 stießen zwei Satelliten, ein ausgedienter und ein aktiver, im Orbit zusammen und produzierten ebenfalls viele Einzelteile, die für sich genommen gefährlich werden könnten. Die ISS trägt dem Müll Rechnung, sie ist größtenteils mit Kevlarmaterial gepolstert, um kleinere Einschläge verkraften zu können. Doch immer öfter muss die Internationale Raumstation Ausweichmanöver einlegen, um größeren Müllteilen auszuweichen. Dies verbraucht mehr Treibstoff, daher muss öfter eine Versorgungskapsel hochgeschickt werden, diese droht dann erneut mit Müllteilen zu kollidieren.

Bislang können Wissenschaftler 22.000 größere Schrottteile von der Erde aus beobachten, es gibt aber weit mehr kleinere Teile, die nicht beobachtet werden können und dennoch gefährlich sind. Im Juni mussten die sechs Besatzungsmitglieder in die separate Rettungskapsel der ISS umsteigen, da die Station mit größerem Schrott zu kollidieren drohte.

Laut dem UN-Weltraumvertrag vom 1967 und dem Weltraumhaftungsübereinkommen aus 1972 dürfen alle Staaten dieser Welt den Orbit frei „nutzen“, doch sie haften für Schäden die von ihrem Schrott ausgehen. Der erste Fall eines dokumentierten Unfalls geschah 1960, als ein Raketenteil eine Kuh auf Kuba traf und tötete. 1969 wurde ein japanischer Frachter auf hoher See von Satelittenteilen aus der Sowjetunion getroffen, fünf Seemänner wurden verletzt. Der Mensch scheint wahrhaftig in der Lage zu sein, selbst den Weltraum zu verschmutzen; ob ein Dosenpfand a la Trittin hier Abhilfe hätte schaffen können, ist fraglich, definitiv nicht fragwürdig bleibt die Tatsache, dass die Menschheit ihren Weltraummüll auf lang oder kurz säubern muss.

 



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